Literarisches Leben
Datenbank zum Literarischen Leben in den deutschsprachigen Ländern 1945-2000

Diese Seite liefert eine Jahreschronik literarischer und kultureller Ereignisse in Deutschland (SBZ/WZ), Österreich und der Schweiz. Über die Homepage des Projekts www.literarischesleben.uni-goettingen.de können Sie kostenlos weitere Jahreschroniken abfragen. Mit differenzierten Suchfunktionen können Sie dort weiterhin den Bestand der Datenbank etwa nach Personennamen, Literaturpreisen, Schlagworten oder bestimmten Begriffen durchsuchen.

Kalendarium 1945

Datum/Zeitraum
Ort, Ereignis, beteiligte Länder
am/von bis
06. Jan.    Aufruf zum "Volksopfer", um für die Ausrüstung des "Volkssturm" zu sammeln.  Deutsches Reich
07. Jan.   Zürich  Unter der Motto "Kunst und Kulturstätten der Schweiz" werden erstmals sechs von der Schweizer Zentrale für Verkehrsförderung in Auftrag gegebene Kurzfilme gezeigt, von denen fünf Harry Ringger gestaltet hat.  Schweiz
08. Jan.   Washington  In einer Erklärung des Staatsdepartments der USA zum Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und der Schweiz wird einerseits die Freundschaft betont, aber andererseits auch auf eine Einschränkung der schweizerischen Materiallieferungen nach Deutschland gedrängt.  USA, Schweiz
12. Jan.   Warschau, Krakau  Zusammenbruch der deutschen Front in Polen. Die Rote Armee erreicht Warschau und Krakau und dringt bis nach Ostpreußen und Oberschlesien vor.  Polen, Sowjetunion, Deutsches Reich
19. Jan.   Olten  Zusammenschluß der lokalen Filmgilden zur "Vereinigung schweizerischer Filmgilden" und Gründung des "Schweizerischen Filmbunds".  Schweiz
20. Jan.    Ungarn schließt mit der Sowjetunion einen Waffenstillstand und tritt in den Krieg gegen das Deutsche Reich ein.  Ungarn, Sowjetunion, Deutsches Reich
20. Jan.   Zürich  Ausstellung "Der Film gestern und heute" im Kunstgewerbemuseum. Bei dieser Ausstellung handelt es sich um eine erweiterte Fassung der gleichnamigen Basler Ausstellung im Herbst 1943.  Schweiz
23. Jan.    Die Kriegsmarine beginnt die Evakuierung der deutschen Bevölkerung aus Ostpreußen auf dem Seeweg. Damit soll möglichst vielen Deutschen die Flucht vor der auf Berlin vorrückenden Roten Armee ermöglicht werden. Zwei bis drei Millionen Menschen gelangen auf diese Weise in den Westen.  
27. Jan.    Die Rote Armee befreit das Vernichtungslager Auschwitz, in dem noch 7.600 Häftlinge sind.  Sowjetunion, Deutsches Reich
01. Feb.   Bern  Das politische Departement gibt bekannt, daß angesichts der Kriegsereignisse im Osten die schweizerische Gesandtschaft in Deutschland und die Konsulate in den östlichen Teilen des Reiches auf ihren Posten bleiben. Die in jenen Gebieten wohnenden Schweizer haben über ihren Aufenthalt selber zu bestimmen, doch wird die Rückkehr in die Schweiz nicht befürwortet oder organisiert.  Schweiz
01. Feb.    Die Schweiz beherbergt zur Zeit 104.583 Emigranten, Flüchtlinge und Internierte.  Schweiz
03. Feb.   Berlin  Bei einem schweren Luftangriff der Amerikaner kommen in Berlin 22.000 Menschen ums Leben.  USA, Deutsches Reich
04. Feb. 11. Feb. Jalta  Konferenz von Jalta mit Winston Churchill, Franklin D. Roosevelt und Josef Stalin: Die Grundzüge der Besatzungspolitik für Deutschland werden entworfen, u.a. Entwaffnung, Entmilitarisierung, Entnazifizierung sowie die Einteilung Deutschlands in "Besatzungszonen".  England, USA, Rußland, Deutsches Reich, Großbritannien
06. Feb.   Berlin  Die Schweiz protestiert offiziell gegen Konzentrationslager und die Judenvernichtung.  Schweiz, Deutsches Reich
07. Feb.   Bern  Gefangenenaustausch über die Schweiz. Nach Angabe des politischen Departements der Schweiz werden ca. 7100 britische, amerikanische und deutsche Kriegsgefangene, die krank oder verwundet sind, ausgetauscht.  England, USA, Schweiz, Deutsches Reich, Großbritannien
07. Feb.    Der Schweizer Regierung gelingt es, die Freilassung von 1.200 Gefangenen des KZ Theresienstadt durchzusetzen.  Schweiz, Deutsches Reich
07. Feb.   Bern  Das eidgenössische Volkswirtschaftsdepartement verfügt infolge des Kohlenmangels rigorose Einschränkungen im Gasverbrauch. Im November wird vom eidgenössischen Kriegs-Industrie- und Arbeitsamt auch der Stromverbrauch eingeschränkt. Schweiz  Schweiz
12. Feb.   Bern  Wirtschaftsverhandlungen: Der Bundespräsident empfängt eine alliierte Wirtschaftsdelegation mit Langhlin Currie (USA) und Dingle M. Foot (Großbritannien) an der Spitze.  Frankreich, England, USA, Schweiz, Großbritannien
12. Feb.    Die deutschen Frauen und Mädchen werden zum Hilfsdienst für den Volkssturm aufgerufen, nachdem schon (seit Januar 1943) Jungen (in der Endphase auch Mädchen) in den Luftwaffenhelfer-Einheiten Flakgeschütze bedienen.  Deutsches Reich
12. Feb. 08. Mär.  Nach Verhandlungen mit den Westalliierten stoppt die Schweiz die Ausfuhr von Waren und Strom ins Deutsche Reich und nach Italien. Der Transit von Kohle, Eisen und Stahl zwischen Italien und Deutschem Reich wird eingestellt. Die Schweiz verpflichtet sich außerdem zur Erfassung ausländischer Vermögenswerte und zur Herausgabe von geraubtem Vermögen. Die Alliierten lockern im Gegenzug ihre Blockade (außer für Kohle). Die Verhandlungen werden am 08.03. mit dem Currie-Abkommen beschlossen.  Italien, Frankreich, England, USA, Schweiz, Deutsches Reich, Großbritannien
12. Feb.    Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) ruft Frauen und Mädchen zum Hilfsarbeitsdienst beim "Volkssturm" auf.  Deutsches Reich
13. Feb. 14. Feb. Dresden  Britische und amerikanische Flächenbombardements zerstören Dresden fast völlig. Da zahllose Flüchtlinge aus dem Osten durch Dresden ziehen, wird die Zahl der Opfer auf mindestens 35.000 geschätzt.  Deutsches Reich
13. Feb.   Bern  Der Schweizer Bundesrat verfügt die Sperrung deutscher Vermögenswerte.  Schweiz, Deutsches Reich
19. Feb.   Zürich  Die Entscheidung des Regierungsrates der Stadt, die für den 20. und 25.02. in der Tonhalle vorgesehenen Konzerte des deutschen Dirigenten Wilhelm Furtwängler zu verbieten, löst im ganzen Land heftige zustimmende oder ablehnende Reaktionen aus. Das ein paar Tage später in Winterthur stattfindende Konzert bringt Furtwängler im Konzertsaal einen großen Erfolg, während es vor dem Gebäude zu Gegendemonstrationen kommt.  Schweiz
21. Feb.    Aufgrund einer Übereinkunft mit den beteiligten Regierungen beginnt die Heimschaffung internierter deutscher, amerikanischer und britischer Militärpersonen.  England, USA, Schweiz, Deutsches Reich, Großbritannien
22. Feb.   Bern  Mit neuen Verfügungen über den verschärften Arbeitseinsatz und eine umfassende Anmeldepflicht soll die Ernährung des Landes sichergestellt werden.  Schweiz
22. Feb.    Amerikanische Flugzeuge bombardieren trotz der Schweizer Neutralität die Nord- und Ostschweiz. Die Bombardierungen fordern 18 Todesopfer.  USA, Schweiz
26. Feb.    Himmler ordnet die Einführung von Sonderstandgerichten an, um die Auflösungserscheinungen in vielen Wehrmachtseinheiten zu unterbinden.  Deutsches Reich
27. Feb.   Bern  Der Bundesrat beschließt die Aufhebung der Parteiverbote und erläßt ergänzende Bestimmungen über den strafrechtlichen Staatsschutz.  Schweiz
01. Mär.    Papiernot: Das Kriegsindustrie- und Arbeitsamt setzt den Kontingentierungssatz für Papier auf 80 % der Bezüge von 1941 herunter. Zwei Monate später senkt das Kriegs-Industrie- und Arbeitsamt die Papierkontingente erneut um 20%.  Schweiz
04. Mär.   Zürich, Basel  Neutralitätsverletzung: Weitere Bombenabwürfe mit Todesopfern.  Schweiz
07. Mär.   Bern  Abschluß der Verhandlungen mit der alliierten Wirtschaftsdelegation. Übereinstimmung wurde erzielt über den Handel der Schweiz mit allen kriegführenden Parteien, über die schweizerischen Elektrizitätsexporte, über die schweizerischen Maßnahmen gegen die Verbergung geraubter Güter und Vermögenswerte, über die Belieferung der Schweiz mit Lebensmitteln und Rohstoffen überseeischer Herkunft und über den Transit der Schweiz.  Frankreich, England, USA, Schweiz, Großbritannien
08. Mär.   Bern  General Spaatz, der Kommandant der amerikanischen Luftstreitkräfte in Europa, spricht im Bundeshaus vor und gibt dem Bundesrat Zusicherungen zur Verhütung weiterer Verletzungen des schweizerischen Luftraumes.  USA, Schweiz
10. Mär.   Basel  Ausstellung von Bildern Wassily Kandinskys in der Kunsthalle Basel.  Schweiz
12. Mär.   Wien  Der schwerste Fliegerangriff auf Wien seit Kriegsbeginn. Schwere Schäden am Stephansdom, der Staatsoper, dem Kunsthistorischen Museum, dem Burgtheater, dem Heinrichshof, der Kärntner Straße und im Kaiviertel.  Österreich
19. Mär.    Adolf Hitler befiehlt, alle für den Feind nutzbaren Industrie- und Versorgungsanlagen beim Zurückgehen zu zerstören (Nero-Befehl). Der Befehl gelangt durch das Eingreifen Albert Speers und des Feldmarschalls Albert Kesselring nicht zur Auswirkung und wird Anfang April unwirksam gemacht.  Deutsches Reich
26. Mär.   Bern  Bundesrat Eduard von Steiger gibt Erklärungen über eine angeblich von Angehörigen der schweizerischen Armee stammende nationalsozialistische Schmähschrift ab.  Schweiz
26. Mär.   Bern  Wirtschaftsfrieden: Das Postulat Bührer über die Zusammenarbeit aller Wirtschaftsgruppen wird vom Ständerat mit 28 zu sechs Stimmen gutgeheißen.  Schweiz
29. Mär.   Bern  Der Bundesrat erläßt einen Vollmachtsbeschluß zur Ausrichtung von Studienausfallentschädigungen an militärdienstleistende Studierende an höheren Lehranstalten.  Schweiz
06. Apr. 13. Apr. Wien  Nachdem die Rote Armee am 29.03. bei Klostermarienburg (Burgenland) die österreichische Grenze überschritten hat, beginnt am 6.04. die Schlacht um Wien. Am 13.04. kann die Rote Armee die Stadt nach heftigen Kämpfen einnehmen.  Sowjetunion, Österreich
06. Apr.   Wien  Letzte Sendung des Reichssenders Wien.  Österreich
06. Apr.   Wien  "Radio Wien" wird eingestellt, ein "Kampfsender Prinz Eugen", den die SS betreibt, sendet Musik und den Wehrmachtsbericht.  Österreich
09. Apr.   Bern  Anläßlich des bevorstehenden 100. Geburtstages von Carl Spitteler wird in der schweizerischen Landesbibliothek eine aus Bibliotheksbesitz und Nachlaß zusammengestellte Gedächtnisausstellung eröffnet.  Schweiz
11. Apr.    Amerikanische Einheiten befreien das KZ Buchenwald. Einheiten der Schutzstaffel (SS) versuchten kurz zuvor noch, die jüdischen Häftlinge nach Flossenbürg zu deportieren.  USA, Deutsches Reich
15. Apr.   Wien  Soldaten der Roten Armee verteilen in ganz Wien die erste Nummer einer neuen Zeitung: "Österreichische Zeitung, Frontzeitung für die Bevölkerung Österreichs". Sie wird vom Sowjetkommando für Österreich herausgegeben und erscheint vorerst unregelmäßig.  Österreich
17. Apr.   Wien  Die "Österreichische Volkspartei" (ÖVP) wird in den Räumen des Wiener Schottenstifts gegründet. Sie tritt die Nachfolge der "Christlich-sozialen Partei" der Ersten Republik an. Ihr erster Parteiobmann ist Leopold Kunschak.  Österreich
18. Apr. 22. Apr.  Flüchtlingsstrom: 13.040 Flüchtlinge, fast ausschließlich Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene aus Deutschland, kommen über die Schweizer Grenze.  Schweiz, Deutsches Reich
18. Apr.    Die Amerikaner richten das Amt des stellvertrenden US-Militärgouverneurs für Deutschland (Chef der Zivilverwaltung) ein und besetzen es mit Lucius D. Clay.  USA, Deutsches Reich
19. Apr.    Die Nord- und Ostgrenze der Schweiz wird bis auf wenige Übergangsstellen für "Asylwürdige" geschlossen.  Schweiz
20. Apr.    Wie erstmals im Vorjahr zeichnet der schweizerische Buchhändlerverein die 25 schönsten Bücher des vergangenen Jahres aus.  Schweiz
23. Apr.   Wien  Die erste wieder von Österreichern herausgegebene Tageszeitung "Neues Österreich" erscheint. Sie wird von KPÖ, ÖVP und SPÖ als "Organ der demokratischen Einigung" herausgeben. Herausgeber sind Leopold Arzt als Vertreter der Wissenschaft, Generaldirektor Ernst Czeija als Vertreter der Wirtschaft, Leopold Figl für die ÖVP, Ernst Fischer für die KPÖ, Paul Hörbiger für die Künstler, Franz Schumy für den ehemaligen Landbund und Stadtrat Paul Speiser für die SPÖ. Chefredakteur ist Ernst Fischer (KPÖ), Stellvertreter sind Paul Deutsch (SPÖ) und Leopold Husinsky (ÖVP). Das Blatt wird zunächst von Oskar Maurus Fontana, dann von Otto Basil geleitet.  Österreich
23. Apr.    Hitler entläßt Reichsmarschall Hermann Göring aus allen Staats- und Parteiämtern. Göring wollte als Vertreter des Deutschen Reichs Verhandlungen mit den Westalliierten über eine Verständigung führen.  Deutsches Reich
24. Apr.   Wien  Als erstes österreichisches Kino eröffnet das Wiener "Apollo" wieder, mit dem russischen Spielfilm "Iwan der Schreckliche".  Österreich
24. Apr.   Berlin  Letzte Berliner Ausgabe des NS-Parteiorgans Völkischer Beobachter.  Deutsches Reich
24. Apr.   Liestal (CH)  Mit zahlreichen Feiern im ganzen Land wird der 100. Wiederkehr des Geburtstages von Carl Spitteler gedacht. Beim offiziellen Gedenkakt im Geburtsort Liestal sprechen Bundesrat Philipp Etter und G. Bohnenblust.  Schweiz
25. Apr.   Zürich  Bei einer Luftschutzübung kommen sieben Personen ums Leben.  Schweiz
25. Apr.   Torgau  Amerikanische und sowjetische Trupen treffen an der Elbe bei Torgau zusammen. Aufgrund der Vereinbarung von Jalta (4.-11.2.1945) überläßt Eisenhower den Sowjets die Eroberung von Berlin.  USA, Sowjetunion, Deutsches Reich
25. Apr.   Wien  Der Schauspieler Raoul Aslan wird vom Wiener Kulturstadtrat Viktor Matejka (KPÖ) zum Direktor des Burgtheaters ernannt. Seine Hauptaufgabe ist es, einen Ersatz für das zerstörte Haus am Ring zu finden.  Österreich
27. Apr.   Wien  Unter strenger Geheimhaltung werden Regierungsverhandlungen abgeschlossen. Die Forderung der Kommunisten nach zwei Schlüsselministerien (Inneres und Unterricht) wird akzeptiert. Ihre weitere Forderung nach einem stellvertretenden Regierungschef umgeht Renner. Es wird ein politisches Kabinett gebildet, dem unter seinem Vorsitz je ein Vertreter der drei Parteien angehört (Schärf für die SPÖ, Kunschak, einige Tage später Figl für die ÖVP, Koplenig für die KPÖ). Die drei Parteien beschließen die "Unabhängigkeitserklärung", die von den vier Mitgliedern des politischen Kabinetts unterzeichnet wird. Sie erklärt den Anschluß an Deutschland für null und nichtig und verkündet die Wiederherstellung der demokratischen Republik im Geiste der Verfassung von 1920.  Österreich
27. Apr.   Wien  Die Wiener Philharmoniker geben unter Clemens Krauss ihr erstes Konzert (Schubert, Beethoven, Tschaikowskij) im großen Konzerthaussaal.  Österreich
28. Apr.    Bei Vils in Tirol überschreiten amerikanische Truppen die österreichische Grenze.  USA, Österreich
28. Apr.   Wien  Karl Renner informiert den sowjetischen Oberbefehlshaber Marschall Tolbuchin über die Bildung der Regierung. Tolbuchin erkennt die neue Regierung an.  Österreich
29. Apr.   Hamburg  Der schweizerische Generalkonsul in Hamburg, A.L. Zehnder, wird bei einem Luftangriff getötet.  Schweiz, Deutsches Reich
29. Apr.   Wien  Abends sendet "Radio Wien" wieder. Ab dem folgenden Tag täglich 7-8, 12-14 und 19.30 bis 21.30 Uhr.  Österreich
29. Apr.   Wien  Die Radiostation RAVAG (Radio-Verkehrs-AG)-Wien beginnt zu senden, zu ihren Begründern zählt Oskar Czeija.  Österreich
29. Apr.   Wien  Karl Renner verkündet die Wiederherstellung der demokratischen Republik Österreich.  Österreich
30. Apr.   Wien  Im "Etablissement Ronacher" als Ausweichspielstätte eröffnet das Burgtheater die neue Saison mit Grillparzers "Sappho" (Wiederaufnahme einer Inszenierung Adolf Rotts aus dem Jahr 1943, in der Titelrolle Maria Eis). Das "Ronaacher" bleibt bis 1955 die Spielstätte des Burgtheaters.  Österreich
30. Apr.   Berlin  Selbstmord Hitlers in Berlin  Deutsches Reich
01. Mai   Wien  Die Wiener Staatsoper eröffnet die neue Spielzeit in der Volksoper mit Mozarts "Figaros Hochzeit" mit Hilde Konetzni, Irmgard Seefried, Elisabeth Höngen, Josef Krips als Dirigent und Oscar Fritz Schuh als Regisseur. Operndirektor ist Alfred Jerger.  Österreich
01. Mai   Wien  Das Raimundtheater eröffnet mit der Operette "Dreimäderlhaus" von Franz Schubert.  Österreich
01. Mai   Bern  Schließung aller Grenzübergänge nach Italien.  Italien, Schweiz
01. Mai   Wien  Die provisorische Regierung setzt die Bundesverfassung vom 01.10.1920 in der Fassung von 1929 wieder in Kraft. Sie beschließt außerdem das Gesetz über das Verbot der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) und aller ihrer Gliederungen. Ein weiteres Gesetz bestimmt grundsätzlich die Rückgabe von "arisiertem" jüdischem Eigentum.  Österreich
01. Mai    In der Schweiz befinden sich 106.470 Flüchtlinge und Internierte (davon 46.670 Militärflüchtlinge). Bis zum Ende der Kampfhandlungen am 08.05. steigt diese Zahl auf 115.000. Insgesamt beherbergt die Schweiz während des Zweiten Weltkriegs 295.381 Flüchtlinge.  Schweiz
01. Mai   Wien  Das Theater in der Josefstadt wird mit "Hofrat Geiger" wiedereröffnet (musikalisches Lustspiel von Martin Costa, Musik von Hans Lang).  Österreich
02. Mai    Das Bestehen einer den Widerstand hinter den feindlichen Linien fortsetzenden Organisation "Werwolf" wird bekannt gegeben, wirkt sich praktisch nicht aus, veranlaßt aber die Gegner zu harten Abwehrmaßnahmen.  Deutsches Reich
02. Mai   Plön, Mürwik  Großadmiral Dönitz wird Hitlers Nachfolger. Der frühere Reichsfinanzminister Graf Schwerin von Krosigk bildet die neue Reichsregierung in Plön bei Kiel. Übersiedlung nach Mürwik bei Flensburg am folgenden Tag  Deutsches Reich
02. Mai   Wien  Die Tageszeitung "Neues Österreich" meldet den Modus für die "Ausgabe von Lebensmitteln": "Die Maispende der Roten Armee macht eine Ausgabe von Lebensmitteln an die Bevölkerung möglich. Die Abgabe erfolgt auf die gelben Lebensmittelkarten 74. Abgegeben werden jeweils 200g Bohnen und Erbsen, 50g Speiseöl, 150g Fleisch und 125g Zucker."  Österreich
07. Mai   Bern  Ein bereits am 01.05. gefaßter Beschluß zur Auflösung der NSDAP, Landesgruppe Schweiz, und über die Ausweisung des Landesgruppenleiters wird vom Bundesrat in Kraft gesetzt. Bis Jahresende werden knapp 1.000 Deutsche und Italiener wegen faschistischer Gesinnung des Landes verwiesen.  Schweiz
07. Mai   Reims  General Alfred Jodl unterzeichnet im US -Hauptquartier die Urkunde zur Kapitulation der deutschen Wehrmacht.  USA, Deutsches Reich
08. Mai   Berlin  Das Oberkommando der Wehrmacht, Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel, Generaladmiral Hans-Georg von Friedeburg und Generaloberst Stumpf, unterzeichnen in Anwesenheit der bevollmächtigten alliierten Generale im sowjetischen Hauptquartier in Berlin-Karlshorst die bedingungslose Kapitulation aller deutschen Streitkräfte. Um 23.01 MEZ tritt die Kapitulation in Kraft. Alle deutschen Soldaten werden in Gefangenschaft geführt.  England, USA, Sowjetunion, Deutsches Reich, Großbritannien
08. Mai   Bern  Nach der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht bricht die Schweiz ihre diplomatischen Beziehungen zum Deutschen Reich ab. Die deutsche Vertretung in der Schweiz wird geschlossen und der schweizerische Gesandte in Deutschland zurückberufen. Der Bundesrat erklärt den 08.05. zum Tag der Waffenruhe und erläßt einen Aufruf an das schweizerische Volk.  Schweiz, Deutsches Reich
08. Mai   Wien  Die provisorische Regierung erläßt das Gesetz über das Verbot der NSDAP. Es wird eine Registrierungspflicht erlassen für alle Personen, die zwischen dem 01.07.1933 und dem 27.04.1945 Mitglied der NSDAP oder einer ihrer Organisationen waren. Vorerst gilt das Gesetz nur im sowjetisch besetzten Teil des Landes, in dem die provisorische Regierung anerkannt ist.  Österreich
08. Mai   Wien  "Radio Wien" muß im Auftrag der Besatzungsmacht eine tägliche Informationssendung "Russische Stunde" einführen.  Sowjetunion, Österreich
09. Mai    In seiner Siegerrede versichert Stalin, die Sowjetunion beabsichtige nicht, "Deutschland zu zerstückeln oder zu vernichten". Er rückt damit öffentlich von alliierten Teilungsplänen ab, die er noch auf der Konferenz von Jalta (4.-11.2.1945) befürwortet hatte. Während des Zweiten Weltkrieges hatte Stalin gefordert, Deutschland müsse vor allem im Osten Territorien abgeben, da Polen für den Verlust seiner Territorien jenseits der Curzonlinie entschädigt werden müsse (Heimstatt- und Kompensationstheorie auf der Kriegskonferenz in Teheran vom 28.11. -01.12.1943).  Sowjetunion, Deutsches Reich
10. Mai    Über BBC-London spricht Thomas Mann zum Kriegsende an die deutschen Hörer. Die Rede schließt einen im Oktober 1940 begonnenen Zyklus ab. Unter dem Titel "55 Radiosendungen nach Deutschland" erscheinen die Reden noch 1945 bei Bermann-Fischer in Stockholm.  Deutsches Reich
11. Mai    Nach der von Präsident Truman am 10.5.1945 gebilligten, geringfügig geänderten Direktive vom 26.4.1945 über die Hauptziele der US-Militärregierung soll Deutschland "nicht zum Zwecke seiner Freiheit", sondern als besiegter Feindstaat besetzt werden. Untersagt sind enge Kontakte zwischen Besatzern und der Bevölkerung, sog. Fraternisierungsbestrebungen sowie Maßnahmen, die die deutsche Wirtschaft stärken oder den Lebensstandard über das Niveau eines Nachbarstaates heben.  USA, Deutsches Reich
12. Mai    Die Entscheidung der obersten Befehlshaber der Alliierten Streitkräfte vom 24.11.1944, alle Massenmedien (Funk, Presse, Verlagswesen) deutschem Zugriff zu entziehen, wird dahingehend geändert, daß einzelne Lizenzen nun doch durch die Besatzungsmächte an Deutsche vergeben werden können. Voraussetzung ist die sorgfältige ideologische Überprüfung der zukünftigen Lizenzträger.  Deutsches Reich
12. Mai   Wien  Das Burgtheater gibt Nestroys "Mädel aus der Vorstadt" (Wiederaufnahme einer Inszenierung aus dem Jahr 1941 mit Paul Hörbiger). Die "Österreichische Zeitung" (14.05.) diagnostiziert eine Nestroy-Renaissance.  Österreich
13. Mai   Wien  Das Volkstheater nimmt den Spielbetrieb mit "Die Katakomben" von Gustav Davis wieder auf.  Österreich
14. Mai    Heinz Tietjen (bis 1945 Generalintendant der preußischen Staatstheater), Paul Wegener (ehemaliger Staatsschauspieler am Schiller-Theater), Ernst Legal (ehemaliger Oberspielleiter am Schiller-Theater), Victor de Kowa (bisher Intendant der Komödie am Kurfürstendamm und ehemaliger Staatsschauspieler) und Gustaf Gründgens legen dem 'Beauftragten des sowjetischen Militärkommandanten für das Kunstschaffen', Clemens Herzberg, ihre Pläne für den Wiederaufbau der Theater vor. Einen Tag später werden fünf Ernährungsgruppen eingeführt, nach denen Künstler, Wissenschaftler und Betriebsführer den Status von Schwerstarbeitern erhalten.  Sowjetunion, Deutsches Reich
14. Mai   Wien  Die "Österreichische Zeitung" vermerkt einen verstärkten Einsatz von sowjetischen Spiel- und Dokumentarfilmen in den Wiener Kinos.  Sowjetunion, Österreich
15. Mai   Berlin  Als erste deutschsprachige Zeitung der SBZ erscheint in Berlin die "Tägliche Rundschau". Diese sich zunächst als "Frontzeitung der Roten Armee in Berlin" verstehende Zeitung übernimmt den Titel einer früheren rechtsgerichteten bürgerlichen Zeitung Berlins.  SBZ, Sowjetunion
15. Mai   Berlin  In Berlin nehmen 17 Lichtspieltheater ihren Betrieb wieder auf. Auf dem Programm stehen vorwiegend sowjetische Filme.  Sowjetunion, Deutsches Reich
17. Mai   Wien  Das Volksopernensemble nimmt seine Tätigkeit mit "Der Waffenschmied" von Albert Lortzing wieder auf. Im Haus spielen nun abwechselnd die Staatsoper und die Volksoper.  Österreich
18. Mai    In einer Sonderausgabe erscheint erstmalig die Bayerische Landeszeitung, das Nachrichtenblatt der alliierten 4. Heeresgruppe für die deutsche Zivilbevölkerung, mit einer ausführlichen Dokumentation der deutschen Kapitulation. Die Zeitung erscheint ab dem 25.05. regelmäßig und kann zunächst nur bei den Polizeirevieren gekauft werden. In dieser ersten Ausgabe vom 18.05. wird unter dem Titel "Thomas Mann über die deutsche Schuld" seine Rundfunkrede vom 10.05. veröffentlicht, was eine tiefgreifende Kontroverse (im folgenden auch "Die große Kontroverse" genannt) auslöst.  Deutsches Reich
18. Mai   Berlin  Mitglieder der Städtischen Oper Charlottenburg veranstalten im großen Senderaum des Berliner Rundfunks in der Mausurenallee das erste Symphoniekonzert. Leopold Ludwig, ehemals Staatskapellmeister an der Deutschen Oper, dirigiert die "Figaro"-Overtüre und zum Schluß Tschaikowskys 5. Sinfonie.  Deutsches Reich
19. Mai   Zürich  Bei der nach der Bombardierung Schaffhausens durchgeführten Kulturspende können 150.000 Franken gesammelt werden, die für den Ankauf alter Gemälde und für eine Plastik vor dem "Museum zu Allerheiligen" verwendet werden sollen.  Schweiz
19. Mai   Wien  14 Städtische Büchereien werden wieder eröffnet.  Österreich
19. Mai   Wien  Zur Eröffnung des Akademietheaters wird Henrik Ibsens "Hedda Gabler" aufgeführt (Wiederaufnahme einer Inszenierung aus dem Jahr 1941).  Österreich
20. Mai   Basel  Radio Basel sendet als Uraufführung zum Ende des Krieges den Hörzyklus "Die Waffen schweigen - was nun?" von Ernst von Schenk.  Schweiz
23. Mai   Flensburg  Britische Truppen verhaften Hitlers Nachfolger Karl Dönitz mit seiner "Geschäftsführenden Reichsregierung unter Graf Schwerin von Krosigk. Seitdem fehlt jede deutsche Zentralgewalt.  England, Deutsches Reich, Großbritannien
24. Mai   Wien  Im Ronacher findet die Burgtheater-Premiere von "Die beiden Klingsberg" von Kotzebue statt. (Wiederaufnahme einer Inszenierung aus dem Jahr 1941).  Österreich
24. Mai   Wien  Nach einer Erklärung von Staatssekretär Julius Raab soll die Wiener Oper "auf dem gleichen Platz, im alten Rahmen" wiederaufgebaut werden.  Österreich
26. Mai   Wien  Die sowjetische Regierung unterstützt die Verbesserung der Versorgung mit Lebensmitteln. Ab 01.06. erhalten pro Person täglich: Schwerarbeiter und Arbeiter gesundheitsschädlicher Betriebe 450g Brot, 80g Grütze, 50g Fleisch, 20g Fett und 25g Zucker; Arbeiter 400g Brot, 60g Grütze, 40g Fleisch, 10g Fett und 20g Zucker; Angestellte 300g Brot, 40g Grütze, 35g Fleisch, 7g Fett und 20g Zucker; Kinder, Familienangehörige ohne Einkommen und die gesamte übrige Bevölkerung 250g Brot, 30g Grütze, 20g Fleisch, 7 (Kinder 10)g Fett und 15 (Kinder 25)g Zucker.  Österreich
26. Mai 27. Mai Zürich  Auf der gemeinsamen Tagung der Gesellschaft schweizerischer Dramatiker und der Gesellschaft für schweizerische Theaterfragen wird insbesondere über die Aufgaben einer Theaterschule debattiert. Arnold H. Schwengeler wird Nachfolger von Fritz Weiß als Leiter der Gesellschaft für schweizerische Theaterkultur.  Schweiz
26. Mai   Berlin  Die Berliner Philharmoniker geben ihr erstes Nachkriegskonzert unter Leo Borchard im Titania-Palast.  Deutsches Reich
27. Mai   Berlin  Erste Theateraufführung im Berliner Renaissance-Theater: Der Raub der Sabinerinnen, eine Posse von Franz Schönthan.  Deutsches Reich
27. Mai   Berlin  Nachdem am 16.5. die sowjetische Militärverwaltung für das Berliner Theaterleben Spielerlaubnis erteilt hat, findet mit Franz Schönthans Posse "Der Raub der Sabinerinnen", inszeniert von Ernst Legal, im Renaissance-Theater die erste Premiere nach dem Krieg statt.  Sowjetunion, Deutsches Reich
28. Mai    Das "Psychological Warfare Department" (PWD) der Amerikaner gibt die Direktive Nr. 2 für "Information and Control Services" heraus. Diese Direktive sucht die "aktive Schuld der Verbrechen" von der "passiven Schuld des ganzen Volkes" zu unterscheiden. Sie gibt insbesondere Anweisungen für das zukünftige lizenzierte Presse- und Verlagswesen der Deutschen. Der in amerikanischen Diensten stehende Journalist Hans Habe unternimmt in den folgenden Wochen die Gründung von über 10 Zeitungen. So erscheinen nach dem "Kölnischen Kurier" (12.05.) und dem Bayerischen Tag (19.05.) am 09.06. "Die Münchner Zeitung", am 16.06. die "Süddeutsche Mitteilungen", am 23. 06. in Bremen der "Weser-Bote", am 29.06. in Straubing die "Regensburger Post", am 13.07. in Augsburg der "Augsburger Anzeiger", am 03.08. die "Stuttgarter Stimme" und am 8.8. in Berlin die "Allgmeine Zeitung". Alle diese Zeitungen erscheinen nur kurzfristig und existieren Ende November 1945 bereits nicht mehr.  USA, Deutsches Reich
29. Mai   Wien  Die Universität Wien nimmt den Vorlesungsbetrieb an der medizinischen und der philosophischen Fakultät wieder auf. Inskribieren darf nur, wer bis 28.05. 30 Stunden Arbeitsdienst geleistet hat.  Österreich
29. Mai   Washington  In der Washingtoner "Library of Congress" hält Thomas Mann in englischer Sprache einen Vortrag über "Deutschland und die Deutschen". Teile davon erscheinen am 30.06.1945 unter dem Titel "Vom deutschen Wesen" in der "Münchner Zeitung"; der erste vollständige Abdruck erscheint im Oktober 1945 in Heft 1 der "Neuen Rundschau". Mann widerspricht in dieser Rede dem Wort von den "zwei Deutschland", einem guten und einem bösen, es existiere vielmehr nur eines, in dem sich Gutes mit Bösem und Schuld vermischt habe.  USA, Deutsches Reich
31. Mai   Wien  Im Theater in der Josefstadt haben Johann Nestroys "Frühere Verhältnisse" und John Boynton Priestleys "Die Zeit und die Conways" Premiere.  Österreich
Mai    Bilanz des Krieges für Deutschland in den Grenzen von 1937: 3,25 Millionen Wehrmachtsangehörige sind gefallen, 300.000 Zivilisten bei Luftangriffen umgekommen. Ca. 1,5 Millionen Menschen werden vermißt. Von ca. 16 Millionen Wohnungen bei Kriegsbeginn sind 5 Millionen zerstört und 3,5 Millionen beschädigt. 7,5 Millionen Menschen sind obdachlos. 40 % der Verkehrseinrichtungen, 20 % der Produktionsstätten und die Hälfte der Schulgebäude sind zerstört. Von 268 Theatergebäuden sind 98 zerstört.  Deutsches Reich
Mai    Es werden Landesregierungen gebildet (in Oberösterreich erst im Oktober).  Österreich
02. Jun.   Frankfurt am Main, München, Stuttgart  Nach dem am 12.05. eingerichteten Radio München werden Radio Frankfurt und Radio Stuttgart (der spätere Süddeutsche Rundfunk) von den Amerikanern eingerichtet. Täglich finden Sendungen 6.30.-9.00 Uhr, von 12.00-14.00 Uhr und von 18.00-23.00 statt. Der Rundfunk soll als Erziehungs- und Unterhaltungsinstrument bei der Re-education der Deutschen mitwirken und erst allmählich in deutsche Selbstverwaltung übergehen.  Deutsches Reich
05. Jun.    Artikel IX der Erklärung der Alliierten verbietet jeden deutschen Sendedienst. Bereits am 24.11.1944 war von der Alliierten Militärregierung ein Gesetz für die Westzonen erlassen worden, welches das "Drucken, Erzeugen, Veröffentlichen, Vertreiben, Verkaufen und gewerbliche Verleihen" von Zeitungen, Zeitschriften, Büchern, Plakaten, Schallplatten und Filmen untersagte. Außerdem verbot es das Betreiben von Agenturen, Nachrichtendiensten, Hörfunk und Fernsehen sowie Theatern und Kinos.  WZ, SBZ, Frankreich, England, USA, Sowjetunion, Großbritannien
05. Jun.   Berlin  Berliner Deklaration "in Anbetracht der Niederlage". Die Oberbefehlshaber der vier Siegermächte (General Dwight D. Eisenhower, Marschall Georgij Schukow, Feldmarschall Bernard Montgomery und General Jean de Lattre de Tassigny) unterzeichnen die Proklamation zur Übernahme der alleinigen Regierungsgewalt in Deutschland und setzen den Alliierten Kontrollrat (AKR) als gemeinsame oberste Leitungsinstanz ein. Deutschland in den Grenzen von 1937 wird in vier Besatzungszonen, Berlin in vier Sektoren eingeteilt. Der AKR ist nach eigenem Bekunden die "oberste Machtgewalt in Angelegenheiten, die Deutschland als Ganzes angehen". Die Militärgesetze und Anweisungen der jeweiligen Oberbehfehlshaber für die einzelnen Besatzungszonen bleiben aber weiterhin in Kraft.  WZ, SBZ, Frankreich, England, USA, Sowjetunion, Großbritannien
05. Jun.   Wien  Die Staatsoper spielt im Redoutensaal der Hofburg die Operette "Wiener Blut" von Johann Strauß.  Österreich
06. Jun.   Salzburg  In Salzburg beginnen die Sendungen des Senders "Rot-Weiß-Rot", der später mit den Sendern Linz und Wien die Sendergruppe "Rot-Weiß-Rot" bildet.  Österreich
06. Jun.   Berlin  Im Auftrag des Stadtkommandanten konstituiert sich eine "Kammer der Kunstschaffenden", die am Wiederaufbau des Berliner Kunst- und Theaterlebens mitwirken soll. Präsident wird der Schauspieler Paul Wegener; Mitglieder des Präsidialrates sind Michael Bohnen, Fritz Erpenbeck, Eduard von Winterstein und Erich Otto, Sekretär wird Wolfgang Harich.  WZ, SBZ
07. Jun.   Salzburg  Die "Salzburger Nachrichten" erscheinen zum ersten Mal. Herausgegeben werden sie von der Spezialabteilung Information Service Branch (ISB) des 12. Armeekorps General Eisenhowers. Am 20.10. erhalten Max Dasch, zu diesem Zeitpunkt Direktor der Salzburger Druckerei (seit 1937), und Gustav Canaval als erster Chefredakteur das Permit S1, die Lizenz zur Herausgabe der Zeitung. Drei Tage später, ab dem 23.10.1945, erscheinen die Salzburger Nachrichten als unabhängige österreichische Tageszeitung. Das Blatt hat zu diesem Zeitpunkt einen durchschnittlichen Umfang von zwei Seiten.  England, Großbritannien, Österreich
09. Jun.   Berlin  Bildung der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD), deren Chef Marschall Schukow wird. Die SMAD residiert in Berlin-Karlshorst.  SBZ, Sowjetunion
09. Jun. 10. Jun. Luzern  Generalversammlung des schweizerischen Schriftstellervereins: Diskutiert werden vor allem die Finanzierung von Werkjahren für schweizerische Schriftsteller und die Förderung von Gastaufenthalten ausländischer Schriftsteller aus schwer vom Krieg betroffenen Staaten.  Schweiz
09. Jun.   Luzern  Gründung der Carl-Spitteler-Gesellschaft. Diese setzt es sich zum Ziel, alle zwei Jahre eine Gedächtnisfeier für den Schriftsteller zu veranstalten und die Gesamtausgabe seiner Werke zu fördern.  Schweiz
10. Jun.    Die SMAD erlaubt die Vereinigung in freien Gewerkschaften und die Bildung von Parteien, die die Vorgaben "demokratisch" und "antifaschistisch" erfüllen und die bürgerlichen Freiheiten verteidigen. Es entstehen in der Folgezeit die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD), die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD), die Christlich-Demokratische Union Deutschlands (CDU) und die Liberal-Demokratische Partei Deutschlands (LDPD).  SBZ, Sowjetunion
11. Jun.    Erster Aufruf der KPD: gegen einen deutschen Sowjetstaat, für die Vollendung der bürgerlichen Revolution von 1848. Zugleich erfolgt ein Bekenntnis zu Stalin und dem Marxismus-Leninismus.  SBZ, Sowjetunion
11. Jun.   Linz  Die erste Ausgabe der "Oberösterreichischen Nachrichten" erscheint. Sie werden von der amerikanischen Besatzungsmacht herausgegeben.  USA, Österreich
12. Jun.   Berlin  Als erste deutsche Parteizeitung erscheint die "Deutsche Volkszeitung", das "Zentralorgan der Kommunistischen Partei Deutschlands". Diese Zeitung wird am 23.4.1946 mit "Das Volk" (SPD-Zeitung) nach Gründung der SED zum "Neuen Deutschland" vereinigt werden.  SBZ
13. Jun.   Bern  Mit 97 zu 70 Stimmen genehmigt der Nationalrat den Beschluß des Bundesrates zur Aufhebung der Parteienverbote und des strafrechtlichen Staatsschutzes.  Schweiz
14. Jun.   Rostock, Gera  In Rostock und Gera findet die erste Uraufführung eines Emigrationsstückes in Deutschland auf. Es ist das "Kaffeehaus Payer" von Hedda Zinner.  SBZ
15. Jun.   Berlin  Mit sowjetischer Genehmigung werden der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund (FDGB) sowie die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) gegründet.  SBZ, Sowjetunion
16. Jun.   Berlin  Die Deutsche Oper beginnt im Funkhaus in der Masurenallee. Auf dem Programm stehen Opernausschnitte mit Erna Berger, Margarete Klose und Peter Anders. Die Leitung hat Karl Schmidt, Intendant ist Ernst Legal.  SBZ
17. Jun.   Köln  Gründung der rheinischen CDU. Sie will christlich orientierte Deutsche aus allen Gesellschaftsgruppen vereinen.  WZ
18. Jun.   Bern  Der Bundesrat bewilligt dem unter fremdenpolizeilicher Aufsicht stehenden ehemaligen deutschen Gesandten Köcher in Bern eine Ausreisefrist von zwei bis drei Monaten.  Schweiz
18. Jun.   Berlin  Unter Leitung des Malers Karl Hofer wird die Hochschule für Bildende Künste wiedereröffnet.  SBZ
18. Jun.   Bern  Der Bundesrat beschließt die offizielle Aufhebung der Presseüberwachung und der Filmzensur.  Schweiz
20. Jun.    Der Aktivzustand der Armee wird für beendet erklärt.  Schweiz
23. Jun.   Basel  Im Rahmen der Hollandhilfe zeigt das Basler Kunstmuseum die Ausstellung "Meisterwerke der holländischen Malerei", in der auch Werke Vincent van Goghs aus Schweizer Privatbesitz zu sehen sind.  Holland, Niederlande, Schweiz
26. Jun.   San Francisco  25 Staaten unterzeichnen die Charta der Vereinten Nationen (United Nations Organization), die als Nachfolgeorganisation des Völkerbundes gegründet wird. Die Schweiz tritt aus Gründen der Neutralität nicht bei.  Schweiz
26. Jun.   Berlin  Gründung der "Christlich-Demokratischen Union Deutschlands" (CDUD) in Berlin. Als Ziel wird der Neuaufbau einer Ordnung in demokratischer Freiheit auf den Grundlagen des Christentums benannt.  WZ, SBZ
26. Jun.   Berlin  Im Deutschen Theater wird als erste Nachkriegspremiere Schillers "Parasit" nach einer Inszenierung von Karl Heinz Stroux aufgeführt. Das Stück wird aufgrund seiner gesellschaftskritischen Haltung durch die SMAD verboten ("die kriechende Mittelmäßigkeit kommt weiter als das geflügelte Talent; der Schein regiert die Welt, und die Gerechtigkeit ist nur auf der Bühne").  SBZ, Sowjetunion
26. Jun.   San Francisco, Berlin  Die "Charta der Vereinten Nationen" und der "Status des Internationalen Gerichtshofes" werden unterzeichnet. Die Charta tritt am 24.10. in Kraft. Gleichzeitig beginnen in Berlin die Vehandlungen einer Vier-Mächte-Kommission über die Bestrafung der deutschen Kriegsverbrecher.  WZ, SBZ, Frankreich, England, USA, Sowjetunion, Großbritannien
27. Jun.    Die bereits von den Amerikanern seit dem 24.1.1945 herausgegebenen "Aachener Nachrichten" werden durch die erste Lizenz an einen deutschen Herausgeber (Heinrich Hollands) übertragen. Mit der Direktive Nr. 3 des amerikanischen "Psychological Warfare Department" (PWD) wird am Tage darauf das Lizenzwesen der deutschen Presse und Verlage eingeleitet.  WZ, USA
29. Jun.   Bern  Der Bundesrat hebt die Buchzensur offiziell auf.  Schweiz
Jun.   Wien  Der "Verband demokratischer Schriftsteller und Journalisten Österreichs" wird gegründet. Erster Präsident wird Edwin Rollett.  Österreich
01. Jul.    Die Westmächte ziehen ihre an der Elbe stehenden Truppen in die vereinbarten Besatzungszonen zurück. Sowjettruppen besetzen Sachsen, Thüringen und den westlichen Teil von Mecklenburg. Die Westmächte besetzen ihre Sektoren in Berlin.  WZ, SBZ, Frankreich, England, USA, Sowjetunion, Großbritannien
03. Jul.   Berlin  Verbände der amerikanischen und britischen Armee rücken - wie in Jalta vereinbart - in West-Berlin ein. Im Gegenzug werden anglo-amerikanische Einheiten aus Mitteldeutschland abgezogen.  WZ, England, USA, Sowjetunion, Großbritannien
03. Jul.   Berlin  In Berlin wird der "Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands" gegründet. Verantwortliche Mitarbeiter sind: Ricarda Huch, Gerhart Hauptmann, Robert Havemann, Johannes R. Becher, Bernhard Kellermann, der Maler Karl Hofer, die Bildhauerin Renée Sintenis u.a. Bis zum Ende des Jahres wächst die Mitgliederzahl auf 22.000 an. Als wichtigste Aufgabe des Kulturbundes wird die "Vernichtung der Naziideologie auf allen Lebens- und Wissensgebieten" begriffen. Eine "nationale Einheitsfront der deutschen Geistesarbeiter", verstanden als Verbindung aller antifaschistischen und demokratischen Kräfte soll nach einer Überprüfung der Tradition geistige Anknüpfungspunkte finden und die Isolierung Deutschlands durchbrechen. Diese Ziele werden mit zahlreichen Aktivitäten in Form von Vorträgen und Arbeitsgruppen aus den Bereichen der Kunst, Wissenschaft und Pädagogik unterstützt. Seine Hauptaktivitäten entfaltet der Kulturbund in Berlin und in der sowjetischen Besatzungszone, während er in den Westzonen für einige Zeit nur auf lokaler Ebene und unter anderem Namen zugelassen wird.  WZ, SBZ
03. Jul.   Bern  Als Urheber des im März verbreiteten nationalsozialistischen Pamphlets werden sieben in Bern und Umgebung wohnhafte Rechtsextremisten verhaftet.  Schweiz
04. Jul.   London  Unterzeichnung des ersten Kontrollabkommens über Österreich durch die Alliierten. Einsetzung einer "Alliierten Kommission für Österreich", bestehend aus "Alliiertem Rat", Exekutivkomitee und Vertretern der vier Regierungen.  Frankreich, England, USA, Sowjetunion, Großbritannien, Österreich
04. Jul.   Bad Homburg vor der Höhe, Berlin, Frankfurt am Main, München  In Bad Homburg vor der Höhe eröffnen die Amerikaner eine erste Bibliothek. Sie soll der deutschen Kultur- und Geisteserneuerung dienen. Im September 1945 aus verkehrstechnischen Gründen nach Frankfurt/M. verlegt, liegen hier Ende des Jahres 3000 Bücher sowie 100 US-Zeitschriften und 10 amerikanische, britische und schweizerische Zeitungen aus. Bibliotheken dieser Art werden am Ende des Jahres auch in Berlin und München eröffnet.  WZ, USA
04. Jul.    Die ersten drei Landes- bzw. Provinzialverwaltungen werden durch die SMAD-Anordnungen vom 03.06. gebildet: Mecklenburg, Sachsen, Brandenburg; später folgen Thüringen (16.07.) und Sachsen-Anhalt (23.07.)  SBZ
05. Jul.   Berlin  Die sowjetische Militärverwaltung läßt die Gründung der Liberal-Demokratischen Partei Deutschlands (LDPD) zu.  SBZ, Sowjetunion
06. Jul.   Tokio  Nach Protest des Bundesrates spricht die japanische Regierung ihr Bedauern über die Schädigung von Schweizer Bürgern in Manila aus und erklärt sich zu Genugtuung und Schadensersatz bereit.  Schweiz, Japan
06. Jul.   Berlin  Die amerikanische Regierung eröffnet in ihrem Berliner Sektor ein Information Control Detachment. Dieses soll die kulturellen Aktivitäten in Berlin beobachten.  WZ, USA
07. Jul.   Salzburg  Erstes Konzert des Mozarteumorchesters im Salzburger Mozarteum.  Österreich
07. Jul.   Berlin  Die Vertreter der USA (Lucius D. Clay), Großbritannien (Ronald M. Weeks) und der Sowjetunion (Georgji Schukow) vereinbaren die Errichtung einer Interalliierten Militärkommandantur Groß-Berlin sowie den freien Verkehr zwischen allen vier Berliner Sektoren.  WZ, SBZ, Frankreich, England, USA, Sowjetunion, Großbritannien
07. Jul.   Berlin  Im Renaissance-Theater werden Arthur Schnitzlers "Der grüne Kakadu" und Frank Wedekinds "Der Kammersänger" aufgeführt. Regie führt Karl-Heinz Martin. Es spielen u.a. Hildegard Knef, Ernst Legal, Wolfgang Lukschy, Hubert von Meyerinck und Kurt Schmittchen.  WZ
08. Jul.   München  Die Münchener Philharmoniker eröffnen im ausverkauften Prinzregenten-Theater unter der Leitung von Eugen Jochum die erste Konzertsaison nach Kriegsende. Aufgeführt werden Werke von Mendelssohn, Mozart und Tschaikowsky. Das Konzert wird von Radio München übertragen.  WZ
08. Jul.   Zürich  Im Kunsthaus wird ein Teil der Kunstwerke, die während des Zweiten Krieges vorsichtshalber aus der Stadt ins Landesinnere gebracht worden waren, wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.  Schweiz
09. Jul.    Die "Alliierte Kommission für Österreich" entscheidet wie folgt über die Aufteilung der Besatzungszonen: Burgenland, Niederösterreich und Oberösterreich nördlich der Donau bilden die sowjetische Zone; zur amerikanischen Zone gehören Salzburg und Oberösterreich südlich der Donau, zur britischen Zone Steiermark, Kärnten und Osttirol und zur französischen Nordtirol und Vorarlberg. Der Alliierte Kontrollrat besteht aus militärischen Kommissaren, die als Oberbefehlshaber jeweils an der Spitze einer Besatzungszone stehen. Die österreichischen Gesetzgebungsorgane sind dem Kontrollrat verantwortlich. Die Wiener Bezirke 2 bis 21 werden als Sektoren ebenfalls unter den Alliierten aufgeteilt, der erste Wiener Bezirk (Innenstadt) wird abwechselnd besetzt. In Form der Alliierten Kommandantur wird für Wien eine gemeinsame, von den Besatzungszonen gesonderte Verwaltung geschaffen.  Frankreich, England, USA, Sowjetunion, Großbritannien, Österreich
10. Jul.   München  Im Auftrag der amerikanischen Militärregierung werden 4 Millionen Schulbücher gedruckt, da die bisherigen Schulbücher nicht mehr verwendet werden dürfen.  WZ, USA
10. Jul.   Dresden  Mit Lessings "Nathan der Weise" beginnt im Interims-Theater der Staatstheater in der früheren Turnhalle Glacisstraße die erste Theateraufführung nach dem Krieg.  SBZ
11. Jul.   Wien  Das neue österreichische Staatsbürgerschaftsgesetz wird verlautbart. Demnach gelten alle Personen und ihre Angehörigen ab 27.04.1945 als österreichische Staatsbürger, die am 13.03.1938 die österreichische Staatsbürgerschaft besessen haben.  Österreich
11. Jul.   Wien  Im Apollo-Kino findet die österreichische Erstaufführung der sowjetischen Filmreportage "Kampf um Wien" in deutscher Synchronisation statt.  Sowjetunion, Österreich
11. Jul.   Berlin  Die Interalliierte Militärkommandantur übernimmt die Aufsicht über die Verwaltung von Großberlin.  WZ, SBZ, Frankreich, England, USA, Sowjetunion, Großbritannien
12. Jul.    Die Länder Baden und Württemberg werden zwischen der amerikanischen und französischen Besatzungszone aufgeteilt. Es entstehen die Länder Württemberg-Baden, Württemberg-Hohenzollern und Baden.  WZ, USA
14. Jul.    Die bisher von der Sowjetischen Militär-Administration in Deutschland (SMAD) genehmigten Parteien (KPD, SPD, CDU und LDP) schließen sich zur "Einheitsfront der antifaschistisch-demokratischen Parteien" (Antifa-Block) zusammen. Sie erstreben "volle Rechtssicherheit auf der Grundlage eines demokratischen Rechtsstaates".  WZ, SBZ
14. Jul.   Wien  Für den Wiederaufbau der Staatsoper geben die Wiener Philharmoniker ein Konzert mit Beethovens Neunter Symphonie.  Österreich
16. Jul.   Berlin  Aus dem Bestand der Bezirks-Volksbüchereien werden etwa 15.000 Bücher, rund ein Viertel, als nazistische und militaristische Literatur entfernt.  WZ, SBZ
17. Jul. 02. Aug. Potsdam  Potsdamer Konferenz der "Großen Drei" mit Winston Churchill (ab Ende Juli Clement Attlee), Harry S. Truman und Josef Stalin: Deutschland soll entmilitarisiert, entnazifiziert, demokratisiert und nach dem Prinzip der Selbstverwaltung dezentralisiert werden. Zentralverwaltungen unter Staatssekretären sind geplant für Finanzen, Transport, Verkehr, Außenhandel und Industrie. Reparationen sind in der jeweiligen Besatzungszone aus der laufenden Produktion, aus Demontagen und durch beschlagnahmte Auslandsguthaben zu befriedigen. Die Deutschen aus den Ostgebieten sollen umgesiedelt, der nördliche Teil Ostpreußens soll der Sowjetunion übergeben werden.  WZ, SBZ, England, USA, Sowjetunion, Großbritannien
18. Jul.   Wien, Moskau  Auf Einladung von Staatskanzler Karl Renner hält sich eine Gruppe von Künstlern aus Moskau in Wien auf. Sie gehören den Ensembles der Großen Oper, des Philharmonischen Theaters und des Großen Akademischen Theaters an. Am 28.07. gibt die Staatsoper zu ihren Ehren eine konzertante Aufführung von "Boris Godunow" unter Mitwirkung von Irmgard Seefried und Anton Dermota.  Sowjetunion, Österreich
21. Jul.   Wien  Die Wiener Philharmoniker spielen Anton Bruckners 8. Symphonie zugunsten der Sammlung zum Wiederaufbau des Stephansdomes.  Österreich
25. Jul.    Die ersten amerikanischen Soldaten treffen zu einem einwöchigen Erholungsprogramm in der Schweiz ein. Bis Jahresende besuchen insgesamt 157.180 Angehörige der US-Streitkräfte die Schweiz.  USA, Schweiz
25. Jul.   Berlin  Im Haus der Kammer der Kunstschaffenden wird die erste deutsche Nachkriegskunstausstellung eröffnet. Es werden Werke von Karl Hofer, Max Beckmann und Max Pechstein gezeigt.  WZ, SBZ
25. Jul.    Befehl Nr. 17 der SMAD errichtet elf deutsche Zentralverwaltungen, die für Verkehr, Nachrichtenverbindungen, Brennstoff, Industrie, Ackerbau, Finanzen, Arbeitskräfte, Erziehung, Justiz, Gesundheit, Handel zuständig sind. Die Direktiven erteilt die SMAD, unter deren unmittelbarer Kontrolle die Verwaltungen ihre Funktionen ausüben.  SBZ
30. Jul.   Berlin  Als erster Verlag nach Kriegsende wird im sowjetisch besetzten Teil Berlins der KPD-Verlag Neuer Weg gegründet, der sich 1946 mit dem SPD-Verlag Vorwärts vereinigt. Aus ihm geht der spätere Dietz-Verlag hervor, der offizielle Parteiverlag der SED.  SBZ
31. Jul.    Die SMAD fordert für ihre Zone "die Schaffung von antifaschistischen Jugendkomitees bei den Bürgermeistereien der großen und mittleren Städte (...) Alle anderen Jugendorganisationen: gewerkschaftliche und Sport-Vereine, sozialistische und ähnliche gemeinschaftliche Organisationen außer den oben erwähnten antifaschistischen Jugendkomitees sind verboten." Damit beginnen die Vorbereitungen für die Gründung der FDJ. In dieser Angelegenheit engagieren sich mit Nachdruck u.a. Hermann Axen, Margot Feist, Erich Honecker, Paul Verner.  SBZ
31. Jul.   Frankfurt am Main  Die amerikanische Militärregierung vergibt an sieben ausgewählte Journalisten - Emil Carlebach, Hans Etzkorn, Wilhelm Karl Gerst, Otto Grossmann, Wilhelm Knothe, Paul Rodemann und Arno Rodert - die Lizenz Nr. 2 zur Herausgabe der am folgenden Tag erstmalig erscheinenden "Frankfurter Rundschau", die die "Frankfurter Presse", das Nachrichtenblatt der amerikanischen Militärregierung, ablöst.  WZ, USA
Jul.    Die erste Freimaurerloge der Zweiten Republik, "Humanitas renata", wird gegründet.  Österreich
Jul.   Berlin  Im Johannisthaler Filmatelier werden russische Filme deutsch synchronisiert. Als erste werden vorbereitet: "Maiparade", "Siegesfahnen über Berlin" und "Einmarsch". Es sollen folgen: "Stalingrad", "Stalingrads Aufbau" und "Moskau".  SBZ
02. Aug.   Wien  Die SPÖ gibt ihr traditionelles Parteiorgan "Arbeiter-Zeitung" heraus, die ÖVP "Das kleine Volksblatt" und die KPÖ die neugegründete "Volksstimme".  Österreich
02. Aug.   Bern  Vor dem Hintergrund der Lebensmittelknappheit werden neue Grundsätze einer abgestuften Rationierung eingeführt. Im September kündigt dann das Kriegsernährungsamt eine Erhöhung der Brotration von 200 auf 250g für den Folgemonat an, da sich die Versorgungslage mit der Öffnung der Mittelmeerhäfen verbessern werde. Am 15. Oktober wird die Rationierung von Kaffee, Tee, Kakao und Textilien wird aufgehoben.  Schweiz
02. Aug.    Als Ergänzung ihres Befehls Nr. 2 vom 10.06.1945 gibt die SMAD den Befehl Nr. 19 "zur Verbesserung der Arbeit der Verlage und Druckereien und der Regelung der Kontrolle ihrer Tätigkeit" heraus. Der Befehl regelt "die Herausgabe von Zeitungen, Büchern, Zeitschriften, Plakaten, verschiedenartigen Flugblättern, Aufrufen und Parteiliteratur nur in solchen Verlagen und Druckereien oder auch Vervielfältigungs-Apparaturen, für die eine spezielle Genehmigung durch die sowjetische Militärverwaltung erteilt" worden ist. Er ist Grundlage des Lizenzwesens in der sowjetischen Zone.  SBZ, Sowjetunion
03. Aug. 04. Aug.  Die westlichen Alliierten machen Eigentumsrechte an den deutschen Guthaben in der Schweiz geltend.  Frankreich, England, USA, Schweiz, Großbritannien
03. Aug.   Berlin  Das Berliner Theater am Schiffbauerdamm nimmt seinen Spielplan mit "Die spanische Fliege" von Franz Arnold und Ernst Bach wieder auf. Intendant ist Rudolf Platte.  SBZ
03. Aug.   Wien  Die Tageszeitung "Neues Österreich" kündigt "36 neue Filme in den Wiener Kinos" an. Darunter befinden sich neun Produktionen der Wien-Film, neun andere deutschsprachige Streifen und achtzehn sowjetische Filme.  Sowjetunion, Österreich
04. Aug.    Frankreich tritt dem Potsdamer Abkommen vom 02.08. nachträglich bei.  WZ, SBZ, Frankreich, England, USA, Sowjetunion, Großbritannien
05. Aug.   Wien  Kulturstadtrat Viktor Matejka (KPÖ) gibt bekannt, daß wegen schwindender Papiervorräte für Plakate, auf denen Veranstaltungen des Kultur- und Unterhaltungsbetriebs angekündigt werden, ein Höchstmaß von 30 x 42 cm eingehalten werden muß.  Österreich
06. Aug.   Aachen, Hamburg  In Hamburg und Aachen werden Schulungskurse für die Lehrer der höheren Schulen eingerichtet. Die Lehrerschaft soll auf diese Weise auf die Wiedereröffnung des Schulbetriebes vorbereitet werden.  WZ
08. Aug.   London  Vertreter der USA, der UdSSR, Großbritanniens und der provisorischen Regierung Frankreichs vereinbaren die Konstituierung eines Internationalen Militärgerichtshofes in Nürnberg. Das Statut sieht in Art. 6 drei wesentliche Punkte vor: Verbrechen gegen den Frieden, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Die Prozesse beginnen im November 1945 gegen 24 Hauptkriegsverbrecher, denen u.a. Bruch von Verträgen, Verbrechen gegen die Kriegsführung und Massentötungen vorgeworfen werden.  WZ, SBZ, Frankreich, England, USA, Sowjetunion, Großbritannien
08. Aug.   Berlin  Volkszählung: Die Einwohnerzahl ist von 4,3 auf 2,8 Millionen gesunken.  WZ, SBZ
08. Aug.   Wien  Im Landesgericht werden die Prozesse wieder nach dem bis 1938 gültigen österreichischen Recht geführt.  Österreich
12. Aug. 01. Sep. Salzburg  Die ersten Salzburger Festspiele der Nachkriegszeit werden im Stadtsaal von Salzburg durch den Landeshauptmann und den kommandierenden General eröffnet. Am 14.08. wird Hugo von Hofmannsthals "Der Tor und der Tod" im Mozarteum aufgeführt. Desweiteren gibt es sechs Aufführungen von Mozarts "Entführung aus dem Serail", fünf Orchester- und drei Kirchenkonzerte, fünf Serenaden und mehrere Solistenkonzerte. Am 15.08. übertragen alle Sender in den vier Besatzungszonen die "Entführung aus dem Serail".  Österreich
13. Aug.    Offener Brief von Walter von Molo an Thomas Mann in der "Münchner Zeitung". Von Molo ruft Mann auf, aus seinem amerikanischen Exil nach Deutschland zurückzukehren.  WZ, USA
15. Aug.   Bern  Das eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement erläßt Richtlinien über die Tätigkeit politischer Vereinigungen von Ausländern in der Schweiz.  Schweiz
15. Aug. 17. Aug. Wien  Im Großen Schwurgerichtssaal des Landesgerichts beginnt der erste Prozeß vor einem Volksgericht. Vier SA-Männer sind angeklagt, 102 Juden umgebracht zu haben. Der Prozeß endet am 17.08. für drei der vier Angeklagten mit Todesstrafen.  Österreich
15. Aug.   München  Das literarische Kabarett "Die Schaubude" wird mit dem Programm "Der erste Schritt" eröffnet. Die Inszenierung besorgt Rudolf Schündler. Es wirken u.a. mit: Bum Krüger, Karl John, Moritz Jahn und Michael Kröcher.  WZ
15. Aug.   Berlin  Der Regisseur Karl Heinz Martin eröffnet das Berliner Hebbel-Theater mit Brechts "Dreigroschenoper".  SBZ
16. Aug.   Berlin  Mit sowjetischer Lizenz wird der Aufbau-Verlag gegründet. Er entsteht auf Initiative des Kulturbundes zur demokratischen Erneuerung Deutschlands. Die von ihm herausgegebene Zeitschrift "Aufbau" erscheint ab September. Gedruckt werden zunächst die im Faschismus verbotenen Autoren der Gegenwart. Bis Ende des Jahres werden bereits vierzehn Buchtitel mit einer Gesamtauflage von 264.000 Exemplaren produziert.  SBZ
16. Aug.    Die amerikanischen und britischen Militärregierungen erlassen für ihre Sektoren Vorschriften über die Kontrolle von Rundfunk, Film, Theater, Musikveranstaltungen und Druckschriften. Einschlägige Tätigkeiten erfordern Genehmigung und Registrierung durch die zuständigen Militärbehörden.  WZ, England, USA, Großbritannien
16. Aug.   Bern  Der Bundesrat läßt die Vermögen japanischer Staatsangehöriger in der Schweiz sperren.  Schweiz
17. Aug.   Baden  Das "Badener Tageblatt" erscheint als erste von Deutschen herausgegebene Zeitung in der französischen Zone. Herausgeber ist Ernst Kolbein, Chefredakteur Albert Herzog, Mitarbeiter u.a. Hermann Hesse.  WZ, Frankreich
19. Aug.   Wien  Unter Beteiligung von Vertretern der alliierten Truppen und der provisorischen Regierung sowie zehntausender Zuschauer wird das sowjetische Heldendenkmal am Schwarzenbergplatz enthüllt. Sprecher aller drei demokratischer Parteien Österreichs würdigen die Rolle der Roten Armee bei der Befreiung Wiens und Österreichs.  Sowjetunion, Österreich
20. Aug.    Die Schweizer Armee beendet den Aktivdienst und verringert ihre Truppenstärke von 73.000 auf 11.000 Mann.  Schweiz
22. Aug.   London  Der Rat der Hilfsorganisation der Vereinten Nationen, UNRRA, beschließt auf einen Antrag des US-Staatssekretärs Clayton, Österreich und Italien in die internationale Hilfsaktion einzubeziehen und Lebensmittel aus den USA zu liefern.  USA, Österreich
22. Aug.    Eine Konferenz von eidgenössischen und kantonalen Behörden und den Auslandschweizerorganisationen empfiehlt die Bildung einer Expertenkommission für Auslandsschweizerfragen.  Schweiz
23. Aug.   Innsbruck  Karl Gruber, der Landeshauptmann von Tirol, richtet an die vier Großmächte ein Telegramm, in dem er das Selbstbestimmungsrecht für Südtirol fordert.  Italien, Frankreich, England, USA, Sowjetunion, Großbritannien, Österreich
26. Aug.   Wien  Der "Wiener Kurier", die Tageszeitung der amerikanischen Besatzungsmacht, erscheint erstmals.  USA, Österreich
26. Aug.   Baden (CH)  Auf dem Auslandschweizertag spricht Bundesrat Max Petitpierre über Kriegsschäden- und Rückwandererfragen und über geistige Aufgaben der Schweizerkolonien.  Schweiz
27. Aug.    Alle ehemaligen Angehörigen der deutschen Armee haben sich auf Befehl (Nr. 42) der SMAD einer Registrierung bei den Militärkommandanten zu unterziehen. Dieser Befehl gilt ohne Ausnahme für alle ehemaligen Angehörigen der SS und SA, der Gestapo und Mitglieder der NSDAP. Damit beginnt eine umfangreiche Verhaftungswelle. Viele der sich pflichtgemäß Meldenden werden bei der Registrierung verhaftet und als Kriegsgefangene oder Kriegsverbrecher in die Sowjetunion abtransportiert.  SBZ, Sowjetunion
27. Aug.    In der amerikanischen Zone werden Parteigründungen erlaubt.  WZ, USA
28. Aug.    Kurt Schumacher verschickt "Politische Richtlinien", das erste Programm der SPD im Westen Deutschlands nach dem zweiten Weltkrieg. Es enthält den Kernsatz: "Die Demokratie ist untrennbar von Begriff und Ethik des Sozialismus."  WZ
29. Aug.   Wien  Ein neues Gesetz regelt die Zuteilung von Papier an Verlage, Druckereien und andere papierverarbeitende Betriebe.  Österreich
30. Aug.   Basel  Internationale Filmtage: Auf der Internationalen Filmwoche werden neben einer Reihe von Erstaufführungen in zehn Kinos eine Auswahl klassischer Filme aus der Stummfilmzeit gezeigt. An dem parallel laufenden Filmkongreß als der ersten internationalen Aussprachemöglichkeit nach dem Zweiten Weltkrieg nehmen rund ein Dutzend Staaten mit offiziellen Vertretern bzw. Beobachtern teil.  Schweiz
30. Aug.    Die französische Besatzungsmacht verfügt die Bildung des Landes Rheinland-Pfalz  WZ, Frankreich
30. Aug.    In der "Täglichen Rundschau" schreibt Günther Weisenborn einen Aufsatz zum Thema "Die Aufgaben des neuen Theaters". Darin heißt es u.a.: "Wir wollen keine Festspiele, keinen Bayreuther Kothurn, kein absichtsloses Rokoko, wir ziehen die 'moralische Anstalt' vor, die große Form der Debatte. Unsere Bühne (...) ist ein Kampfinstrument."  SBZ
30. Aug.   Berlin  Einrichtung des Alliierten Kontrollrates in Berlin. Er besteht aus den vier Oberbefehlshabern, einem Koordinationsausschuß und Vertretern der Oberbefehlshaber und repräsentiert Deutschland als Ganzes.  WZ, SBZ, Frankreich, England, USA, Sowjetunion, Großbritannien
31. Aug.   Friedenau  Erste Opern-Aufführung nach Kriegsende. Die "Städtischen Bühnen Friedenau" zeigen im Bürgersaal des Rathauses am Lauterplatz Rossinis "Barbier von Sevilla".  WZ
Aug.   Wien  Die erste Nummer der Zeitschrift "Der Turm", herausgegeben von Egon H. Seefehlner erscheint. Sie beabsichtigt eine "Mobilisierung des Geistes gegen den Ungeist" aus der "Kraft des Christentums". Beiträger sind u.a. Felix Braun, Alexander Lernet-Holenia, Rudolf Kassner, Paula von Preradovic, Theodor Sapper und Hans Weigel.  Österreich
Aug.   Wien  Mit der "Furche" entsteht eine neue katholische Wochenzeitung.  Österreich
Aug.   Göttingen  Als erste Monatszeitschrift in den westlichen Zonen erscheint mit britischer Lizenz "Die Sammlung" (bei Vandenhoeck und Ruprecht). Herausgeber sind zunächst Friedrich A. Bollnow, Wilhelm Flitner, Herman Nohl und Erich Weniger. Hauptartikel der ersten Nummer ist die Rede Adolf Grimmes vor der am 15.8. in Hamburg eröffneten Pädagogischen Woche: Vom Sinn der Erziehung heute. Später sind Friedrich Meinecke, Eduard Spranger, Hermann Heimpel, Gerd Tellenbach, Reinhard Wittram, Percy Ernst Schramm u.a. wesentliche Mitarbeiter.  WZ
Aug. Aug. 1946  Die Lizenzvergabe wird in der amerikanischen Zone mit Übersetzungen amerikanischer Autoren verbunden. Die Aufnahme einer solchen Übersetzung garantiert dem deutschen Verleger meist eine Papierzuteilung. Aufgrund dieses ökonomischen Druckmittels sind im Verauf eines Jahres mehr als die Hälfte der in der amerikanischen Zone erschienen Bücher Übersetzungen von US-Autoren.  WZ, USA
01. Sep.   Wien  Die Truppen der vier Besatzungsmächte übernehmen die Zonen in Wien. Vorher war Wien ausschließlich von Truppen der Roten Armee besetzt.  Frankreich, England, USA, Sowjetunion, Großbritannien, Österreich
03. Sep.   Berlin, Göttingen  Die Berliner Universität wird mit Vorkursen, die Göttinger Universität als ganze eröffnet. Von 10.000 Bewerbern können nur 4.830 Studierende aufgenommen werden.  WZ
03. Sep.    Sachsen-Anhalt erläßt die erste Verordnung über die Bodenreform. Die Aufteilung aller Landwirtschaften und Güter über 100 ha erfolgt entschädigungslos. Mit gleichlautenden Verordnungen wird später die Enteignung in Mecklenburg, Sachsen und Thüringen durchgeführt.  SBZ
04. Sep.    Theodor Heuss, Rudolf Agricola und H. Knorr erhalten die Lizenz für die "Rhein-Neckar-Zeitung".  WZ
08. Sep.    KPD-Aufruf zur Aufteilung des Großgrundbesitzes. In der Folge werden 7.000 Großgrundbesitzer ohne Entschädigung enteignet, die vorher zusammengenommen 35% der landwirtschaftlichen Nutzfläche der SBZ besaßen. Alle vier Parteien stimmen der Enteignung zu, die CDU fordert allerdings Entschädigungen für die ehemaligen Besitzer. Daraufhin wird die CDU-Führung im Dezember von der SMAD abgesetzt und durch Jakob Kaiser und Ernst Lemmer ersetzt.  SBZ
10. Sep. 27. Sep. London  In London findet die erste der nach dem Potsdamer Kommuniqué vorgesehenen Außenministerkonferenzen der fünf großen Mächte statt. Die Konferenz dient der Vorbereitung der Friedensverträge mit Italien, Rumänien, Bulgarien, Ungarn, Finnland und Österreich. Deutlich stellen sich deutschlandpolitische Gegensätze unter den Alliierten heraus; so fordert Frankreich die Abtrennung des Rhein-Ruhrgebiets, Molotow eine deutsche Zentralregierung und die sowjetische Teilnahme an einer Viermächte-Kontrolle über das Ruhrgebiet, die amerikanische Seite legt einen Plan für die Entmilitarisierung Deutschlands vor.  China, WZ, SBZ, Frankreich, England, USA, Sowjetunion, Volksrepublik China, Großbritannien
10. Sep. 02. Okt. London  Auf der ersten Konferenz des in Potsdam beschlossenen Rats der Außenminister verlangt Frankreich die Abtrennung des Rhein-Ruhr-Gebiets. Die Sowjetunion fordert eine deutsche Zentralregierung sowie eine Viermächte-Ruhrkontrolle. Die USA schlagen einen Viermächtevertrag über die Entmilitarisierung Deutschlands für 25 Jahre vor (Byrnes-Plan). Die Konferenz endet ohne Ergebnis.  WZ, SBZ, Frankreich, England, USA, Sowjetunion, Großbritannien
11. Sep.   Graz  Die Grazer Festspielwoche wird eröffnet.  Österreich
11. Sep.   Wien  Der Alliierte Kontrollrat tritt im Hotel Imperial unter dem Vorsitz von Marschall Konjew zu seiner ersten Sitzung zusammen. Er erkennt die drei politischen Parteien (ÖVP, SPÖ, KPÖ) an und verfaßt einen "Aufruf an das österreichische Volk": Unter Verweis auf die Moskauer Deklaration vom 30.10.1943, in der Großbritannien, die Sowjetunion und die USA Österreich als erstes Opfer bezeichnen und den Anschluß für nichtig erklärt haben, definiert er als künftige Ziele, die Grundlagen für ein demokratisches, freies und unabhängiges Österreich zu schaffen, "vollkommene Gleichheit der Rassen und Konfessionsfreiheit" sowie Pressefreiheit herzustellen und freie Wahlen abhalten zu lassen. Die Proklamation wird am 12.09. in der "Wiener Zeitung" veröffentlicht.  Frankreich, England, USA, Sowjetunion, Großbritannien, Österreich
14. Sep.   London  Auf der Außenministerkonferenz der Großmächte entscheiden sich die Minister ohne Anhörung Österreichs gegen dessen Forderung nach einer Rückgabe Südtirols und für die Beibehaltung der Brennergrenze. Byrnes legt eine Zusatzformel vor, in der es heißt: "Die Grenze mit Österreich wird unverändert bleiben, mit der Ausnahme, jeden Fall zu hören, den Österreich für kleinere Grenzberichtigungen zu seinen Gunsten vorbringt". "Minor rectifications" werden damit als zulässig bezeichnet.  Italien, Frankreich, England, USA, Sowjetunion, Großbritannien, Österreich
15. Sep.   Salzburg  In Mittersill (Salzburg) wird der Komponist Anton von Webern von einem amerikanischen Soldaten versehentlich für einen bewaffneten Schwarzhändler gehalten und erschossen.  USA, Österreich
15. Sep.   Basel  Die Kunstgüter des Landesmuseums werden nach der vorsorglichen Auslagerung ins Landsinnere während des Zweiten Weltkrieges wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.  Schweiz
15. Sep.   Zürich  Das Kabarett "Cornichon" eröffnet mit dem Programm "Fraternisieren erlaubt" seine Spielzeit.  Schweiz
16. Sep.   Leipzig  Die SMAD befiehlt die Wiedereinrichtung der Deutschen Bücherei und ordnet an, "bis zum 01.10.1945 alle Bücherfonds, welche der Leipziger Bibliothek gehören, aus allen Ausweichstellen zurückzuführen"; "einen leitenden Apparat der Bibliothek zusammenzustellen, welchem die Entfaltung der bibliographischen Auskunftsarbeit obliegt" und "die erforderliche Renovierung des Bibliotheksgebäudes zu organisieren und diese Arbeit bis zum 25.09.1945 zu vollenden".  SBZ
18. Sep.   Wien, Graz  Die "Weltpresse", die Tageszeitung der britischen Besatzungsmacht, erscheint erstmals.  England, Großbritannien, Österreich
18. Sep.   Berlin  Der Intendant Gustav von Wangenheim bringt am Deutschen Theater in Berlin als zweite Inszenierung die Uraufführung des Stücks "Gerichtstag" des kommunistischen, deutsch-schreibenden ungarischen Dramatikers Guyla (Julius) Hay heraus. Dieses Stück versucht eine erste Abrechnung mit dem Nationalsozialismus.  SBZ
19. Sep.    Die amerikanische Militärregierung bildet durch Proklamation Nr. 2 die Länder Bayern, Württemberg-Baden und Hessen.  WZ, USA
21. Sep.   Wien  Die amtliche "Wiener Zeitung" erscheint wieder, nachdem sie am 29.02.1940 eingestellt worden ist.  Österreich
22. Sep.    Radio Hamburg, das sich am 04.05.1945 erstmals als "ein Sender der Alliierten" meldete, wird in "Nordwestdeutscher Rundfunk" (NWDR) umbenannt. Eine Woche später, am 30.09., sendet der NWDR sein erstes ganztägiges Programm.  WZ
25. Sep.    Eisenhower erteilt den Befehl zum Beginn der Demontage zu Reparationszwecken in der amerikanischen Zone.  WZ, USA
25. Sep.    Die SMAD erläßt Ausführungen über die "Grundlegenden Aufgaben der Kunst in der sowjetischen Besatzungszone". Darin werden als Ziele u.a. genannt: "Aktive Verwendung der Kunstmittel im Kampf gegen Faschismus und für die Umerziehung des dt. Volkes im Sinne einer folgerichtigen Demokratie; eingehende Einführung in die Kunst der Welt und das russische Kunstschaffen."  SBZ
26. Sep.    In Nettingsdorf (Oberösterreich) wird eine der größten Papierfabriken Österreichs eröffnet.  Österreich
27. Sep.   Berlin  Der "Tagesspiegel", die erste von Deutschen herausgegebene Berliner Zeitung, erscheint erstmalig, vorläufig noch im Wechsel mit der von den Amerikanern selbst herausgegebenen "Allgemeinen Zeitung". Lizenzträger sind Erik Reger, Walther Karsch und Edwin Redslob.  WZ
29. Sep.   Bern  Der Bundesrat veröffentlicht das schweizerisch-russische Schlußprotokoll, in dem die umstrittenen Schwierigkeiten und Zwischenfälle bei der Durchführung der Internierung von ca. 10.000 Russen "im Geist des Einvernehmens" dargestellt werden.  Schweiz, Sowjetunion
30. Sep.   Stuttgart  Im Verlag Mittelbach erscheint Karl Barths "Zur Genesung des deutschen Wesens". Wesentlicher Inhalt der kleinen Schrift ist der Vortrag "Die Deutschen und wir", den Barth Anfang 1945 an vielen Orten in der Schweiz gehalten hat und der auch in Deutschland ein großes Echo findet. Kernaussage ist - bei aller Kritik an den Deutschen - die Aufforderung zur Freundschaft mit ihnen.  WZ
Sep.   Berlin  Bis zum Herbst gehen beim Magistrat der Stadt Berlin 400 Gesuche um Spielerlaubnis ein, obwohl 98 von 200 ehemaligen Schauspieltheatern zerstört sind. Mehr als 1000 Anträge auf Eröffnung von Kabaretts liegen vor.  WZ, SBZ
Sep. 1949 Berlin  In der britischen Zone und im britischen Sektor Berlins werden insgesamt 242 Verlagslizenzen vergeben. Nach der Lizenzvergabe müssen alle Manuskripte der Britischen Militärbehörde zur Vorzensur vorgelegt werden.  WZ, England, Großbritannien
01. Okt.   Berlin  Der Henschelverlag Berlin erhält als Bühnen-, Film- und Kunstverlag seine Lizenz.  SBZ
01. Okt.   Wien  Der Alliierte Kontrollrat stellt die Pressefreiheit in Österreich unter der Bedingung wieder her, daß die Presse sich demokratischer Prinzipien befleißige, in keinem Fall Material veröffentliche, das geeignet ist, die militärische Sicherheit der Besatzungskräfte zu gefährden, Veröffentlichung von Mitteilungen unterlasse, die darauf gerichtet sind, eine Uneinigkeit unter den Alliierten oder Mißtrauen und Feindschaft gegen die Besatzungsmächte in ihrer Gesamtheit oder gegen deren Besatzungstruppen in Österreich herbeizuführen und Störungen der öffentlichen Ordnungen zu verursachen.  Österreich
01. Okt.    Die literarische Zeitschrift "Neue Rundschau" kommt erstmalig mit einer regulären Nummer als neue Vierteljahresschrift heraus. Sie enthält u.a. ein Essay von Thomas Mann über "Deutschland und die Deutschen" sowie einen Akt aus dem von Carl Zuckmayer soeben vollendeten Schauspiel "Des Teufels General". Die Zeitschrift bezeichnet sich als "eine Tribüne des freien Geistes". Sie erscheint in einer Auflage von 5.000 Exemplaren. Das Heft enthält außerdem Beiträge von Heinrich Mann, Hermann Hesse, Alfred Döblin, Arnold Zweig, Carl Zuckmayer.  WZ
01. Okt.    In allen Schulen der sowjetischen Zone wird der Unterricht wieder aufgenommen. Russisch wird Pflichtfach. Auch in vielen Städten der anderen Zonen beginnt der Unterricht wieder.  WZ, SBZ
02. Okt.   Wien  Die Stadt Wien bildet einen eigenen Fonds für die Kulturförderung.  Österreich
03. Okt.   Wien  In den Sälen des Wiener Konzerthauses findet eine Großkundgebung für die Wiedervereinigung Südtirols mit Österreich statt. Karl Renner (SPÖ), Leopold Figl (ÖVP), Franz Honner (KPÖ) und der Wiener Bürgermeister Theodor Körner (SPÖ) als Redner aller drei Parteien unterstützen die Forderung nach Rückkehr Südtirols zu Österreich.  Italien, Österreich
05. Okt. 07. Okt. Hannover  Auf Einladung Kurt Schumachers findet in Hannover eine Konferenz sozialdemokratischer Politiker statt; Schumacher wird zum Beauftragten der Sozialdemokraten (SPD) für die Westzonen gewählt.  WZ
06. Okt.   Berlin  Im "Jürgen-Fehling-Theater" in Lichterfelde wird der "Urfaust" aufgeführt, mit Joana Maria Gorvin als Gretchen und Otto Eduard Hasse als Mephisto.  WZ
09. Okt. 10. Okt. Wien  Debatte über das Wahlrecht der "registrierten Nationalsozialisten". Die 2. Länderkonferenz beschließt, die Nationalsozialisten vom Wahlrecht auszuschließen: "Den ehemaligen Nationalsozialisten (Parteimitgliedern, Parteianwärtern, Angehörige der Wehrverbände) wird das Wahlrecht entzogen. Nur den Mitgliedern des NSKK [NS-Kraftfahrer-Korps] und NSFK [NS-Flieger-Korps] wird das Wahlrecht zugebilligt, wenn sie nicht Parteimitglieder waren. Die Begründung hierfür liegt in der Tatsache, daß die Beitritte zu diesen Formationen hauptsächlich erfolgten, um einem Beitritt zur NSDAP auszuweichen. Mitglieder oder Parteianwärter, die aus politischen Gründen durch staatliche Behörden des Dritten Reiches Verfolgungen zu erdulden hatten, erhalten ebenfalls das Wahlrecht."  Österreich
09. Okt.   Bern  Der Bundesrat beschließt eine Übergangsordnung zur Alters- und Hinterlassenenversicherung bis Ende 1947.  Schweiz
10. Okt.   Würzburg  Gründung der Christlich-Sozialen Union (CSU) durch Adam Stegerwald.  WZ
10. Okt.   Wien  Das Theater in der Josefstadt hat nach einem Bericht des "Neuen Österreich" bereits 200 mal Martin Costas "Hofrat Geiger" (Premiere 01.05.) gegeben.  Österreich
10. Okt.    Das amerikanische Nachrichtenkontrollamt hat eine Liste von 1.440 Deutschen zusammengestellt, die für ihren Einsatz im Kulturwesen in der amerikanischen Zone überprüft worden sind. Auf der sog. "Weißen Liste" werden 441 Deutsche geführt, denen eine Schlüsselstellung zugewiesen werden kann, auf der sog. "Grauen Liste" werden 389 Deutsche geführt, die ebenfalls kulturell tätig sein können, jedoch nicht in führenden Positionen, auf der sog. "Schwarzen Liste" werden 327 Personen geführt, die auf keinen Fall eingestellt werden sollen. Prominente Namen auf der "Schwarzen Liste" sind der bayerische Generalmusikdirektor Hans Knappertsbusch, der Filmschauspieler Emil Jannings sowie die Schrifsteller Ernst Jünger und Friedrich Sieburg.  WZ
10. Okt.    Der Alliierte Kontrollrat (AKR) erläßt das Gesetz Nr. 2, das die Auflösung und Liquidierung aller nationalsozialistischen Organisationen anordnet.  WZ, SBZ, Frankreich, England, USA, Sowjetunion, Großbritannien
12. Okt.    Thomas Manns "Offener Brief für Deutschland" erscheint unter dem Titel "Warum ich nicht nach Deutschland zurückgehe" im "Augsburger Anzeiger". Es ist seine Antwort auf die von Walter von Molo an ihn gerichtete Aufforderung zur Rückkehr nach Deutschland. Mann lehnt eine Rückkehr ab, bekennt sich aber dazu, weiter "in deutscher Tradition" zu leben. Sehr negativ ist sein Urteil über die Literatur in Deutschland 1933-1945 ("Sie sollten alle eingestampft werden"). Der Streit um die Frage der Rückkehr Manns zieht weite Kreise; er weitet sich aus zu einer Kontroverse zwischen denen, die während des Nationalsozialismus ins Exil gegangen waren, und denen, die in Deutschland geblieben waren. Daraus erwächst 1946 das bei Crüwell in Dortmund veröffentlichte "Streitgespräch über die äußere und innere Emigration" mit Beiträgen von Thomas Mann, Frank Thiess und Walter von Molo.  WZ
15. Okt.    Die von in der Schweiz lebenden deutschen Bühnenkünstlern gegründete "Vereinigung zur Wiedergründung der Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger" beschließt unter dem Vorsitz von Wolfgang Langhoff, rasche Hilfe für das deutsche Theater zu leisten.  Schweiz
18. Okt.   Wien  Leon Epp eröffnet in der Johannesgasse das Theater "Die Insel in der Komödie" mit "Onkel Wanja" von Anton Tschechow mit den jungen Schauspielern Josef Meinrad und Eva Zilcher.  Österreich
18. Okt.   Berlin  Im Saal des ehemaligen Volksgerichtshofes wird die Anklageschrift des am 08.08.1945 konstituierten internationalen Militärgerichtshofes gegen die Hauptschuldigen eingereicht. Gegen Hermann Göring und 23 weitere NS-Politiker und Industrielle wird Anklage erhoben werden.  WZ, SBZ
19. Okt.   Stuttgart  Die Evangelische Kirche bekennt sich zur gemeinsamen Verantwortung und Schuld aller Deutschen einschließlich der Kirchen für die vom Nationalsozialismus verübten Verbrechen (Stuttgarter Schulderklärung).  WZ, SBZ
20. Okt.    Die vier Besatzungsmächte erkennen die provisorische österreichische Staatsregierung an.  Frankreich, England, USA, Sowjetunion, Großbritannien, Österreich
20. Okt.   Marburg  Erste freie deutsche Pressekonferenz deutscher Verleger und Schriftsteller. Gegenstand der Konferenz ist die Gründung eines ständigen Verbandes der lizenzierten deutschen Verleger und Schriftsteller.  WZ
20. Okt.   Dresden  Trotz der Tatsache, daß alle Theater zerstört wurden, gibt die Spielgemeinschaft des Sächsischen Staatstheaters für die neue Theatersaison bekannt, u.a. Lessings "Nathan", Zuckmayers "Hauptmann von Köpenick" und Mozarts "Figaro" aufführen zu wollen. Unter den modernen Stücken werden genannt: Julius Hay "Gerichtstag" sowie Theodor Plivier "Stalingrad".  SBZ
22. Okt.    Die SMAD gibt in einem Befehl den Provinzial- und Länderverwaltungen das Recht, Gesetze und Verordnungen auf den Gebieten der gesetzgebenden, richterlichen und vollstreckenden Gewalt zu erlassen, "wenn sie den Gesetzen und Befehlen der sowjetischen Militärregierung nicht widersprechen".  SBZ
22. Okt.    Die täglichen Lebensmittelrationen betragen in der britischen Zone zur Zeit 1.500 Kalorien, in der amerikanischen 1.350 Kalorien.  WZ, England, USA, Großbritannien
24. Okt.    Das Fraternisierungsverbot der Amerikaner und Briten, das seit dem 14.05.1945 gegolten hat, wird aufgehoben. Die Besatzungstruppen hatten sich trotz aller Weisungen über diesen Befehl hinweggesetzt.  WZ, England, USA, Großbritannien
26. Okt.    Die erste Verlagslizenz in der britischen Zone geht an Peter Suhrkamp.  WZ, England, Großbritannien
27. Okt.   Bern  Ausstellung "Meisterwerke französischer Schriftkunst der letzten 50 Jahre" im Kunstmuseum Bern.  Schweiz
27. Okt.   Wien  Der "Verband geistig Schaffender" wird gegründet.  Österreich
27. Okt.   Schaffhausen  Ein Kollektiv von Auslandschweizer-Bühnenkünstlern bringt das Schauspiel "Aberglauben" von Albert J. Welti zur Uraufführung.  Schweiz
28. Okt.   Berlin  Mit einem Festakt in der Staatsoper wird die Berliner Hochschule für Musik wiedereröffnet. Oberbürgermeister Arthur Werner wiederholt bei dieser Gelegenheit den Ruf an Paul Hindemith, die Leitung der Berliner Hochschule zu übernehmen.  WZ
29. Okt.   Basel  Die im Auftrag von Radio Basel zum Gedenken an den Waffenstillstand geschriebene Fantasie für großes Orchester op.34 von Walter Geiser wird unter Hermann Scherchen zum ersten Mal gesendet.  Schweiz
30. Okt.   Wien  Der Wiener Stadtsenat beschließt auf Antrag des Stadtrates für Kultur und Volksbildung, Viktor Matejka (KPÖ), "den im Kampf gegen den Nazifaschismus und für ein freies, unabhängiges Österreich Gefallenen der Stadt Wien auf einem würdigen Platz im Zentrum der Stadt ein Denkmal zu errichten". Gleichzeitig wird festgelegt, im Rathaus selbst eine Gedenktafel für die im Kampf gegen den Faschismus gefallenen Bediensteten der Stadt Wien zu errichten. Beide Beschlüsse werden später nicht ausgeführt.  Österreich
30. Okt.    Die SMAD leitet eine umfangreiche Enteigungsaktion ein. Danach wird konfisziert: "Eigentum des Reiches und Preußens, der Wehrmacht, der verbotenen Organisationen; Eigentum, das den Amtsleitern der NSDAP, deren führenden Mitgliedern und einflußreichen Anhängern, den Regierungen und Staatsangehörigen der auf seiten Deutschlands am Krieg beteiligten Länder gehört (...)". Nach diesem Befehl werden wichtige Industrieunternehmen beschlagnahmt, die zum Teil in den Besitz der Sowjetunion als SAG-Betriebe (Sowjetische Aktiengesellschaften) übergehen.  SBZ
Okt. Nov. Berlin  Gedächtnisausstellung in Berlin für die Künstlerin Käthe Kollwitz, die während des NS-Regimes verfemt war.  SBZ
Okt.   Tübingen  Als erste Universität nimmt die Tübinger Hochschule den Lehrbetrieb an den beiden Theologischen Fakultäten in einem sog. Herbstsemester 1945 wieder auf. 393 Studierende sind dort eingeschrieben, darunter 58 Frauen.  WZ
02. Nov.   Bern  Der Schweizer Bundesrat beschließt die offizielle Anerkennung der österreichischen Regierung.  Schweiz, Österreich
04. Nov.    Die "Stunde der Alliierten" wird als gemeinsame Sendung aller Rundfunksender in Österreich eingeführt.  Frankreich, England, USA, Sowjetunion, Großbritannien, Österreich
04. Nov.    In der "Neuen Zeitung" antwortet der Philosoph Karl Jaspers der norwegischen Schriftstellerin und Nobelpreisträgerin Sigrid Undset, die am 25.10. ebenfalls in dieser Zeitung die Schuld aller Deutschen am Nationalsozialismus betont hatte. Jaspers stimmt ihr in diesem Punkt zu, weckt aber Hoffnungen für eine bessere Zukunft.  WZ
05. Nov.   München  Unter Vorsitz des früheren deutschen Botschafters in Washington, von Prittwitz und Gaffron, wird in München mit Genehmigung der Militärregierung die deutsche Kulturliga gebildet. Die Liga will beim Wiederaufbau des deutschen Kulturlebens, an der Wiederbelebung seines Ansehens in der Welt und an der Förderung vorbildlicher Leistungen auf kulturellem Gebiet mitwirken.  WZ, USA
06. Nov.   Hamburg  Heinz Maria Ledig erhält in der britischen Zone die Lizenz für den Rowohlt-Verlag . Am 27.03.1946 erhält Ernst Rowohlt die Lizenz dieses Verlages.  WZ, England, Großbritannien
06. Nov.   Berlin  Als erstes modernes amerikanisches Drama nach mehr als zehn Jahren wird in Berlin "Thunder Rock" von Robert Audrey aufgeführt. Es erfährt 556 Vorstellungen und gehört damit zu den am meisten gespielten Stücken zwischen 1945 und 1949.  WZ
06. Nov.   Stuttgart  Zusammentreten des Länderrates der US-Zone in Stuttgart. Aufgabe des durch einen Beschluß vom 17.10. einberufenen Länderrats ist es, im Rahmen der politischen Richtlinien der Militärregierung alle über den Bereich eines Landes hinausgehenden Fragen gemeinsam zu lösen.  WZ, USA
09. Nov. 21. Nov. Paris  Unter dem Vorsitz des französischen Außenministers Bidault tagt in Paris eine interalliierte Reparationskonferenz. Auf der Tagung werden die jeweiligen Anteile an den westdeutschen Reparationslieferungen ausgehandelt.  WZ, Frankreich, England, USA, Sowjetunion, Großbritannien
09. Nov.   Berlin  Die Sektion Literatur der im Sommer 1945 gebildeten Kammer der Kulturschaffenden gründet den Schutzverband Deutscher Autoren (SDA). Den Vorsitz führen Rudolf Pechel, Erwin Redslob, Roland Schacht und Günther Weisenborn, denen als Beiratsmitglieder u.a. Johannes R. Becher, Günther Birkenfeld und Walther Karsch zur Seite stehen. Der SDA versteht sich als Organisation überparteilicher Orientierung, als ihr Mitteilungsorgan fungiert ab 1946 "Der Autor".  WZ, SBZ
10. Nov.   Stuttgart  Das erste Heft der Monatsschrift "Die Wandlung" erscheint beim Verlag Lambert Schneider in Heidelberg. Herausgeber ist Dolf Sternberger unter Mitarbeit von Karl Jaspers, Werner Krauss und Alfred Weber. Diese kulturkritische und geistesgeschichtlich orientierte Zeitschrift veröffentlicht Essays zu literarischen Themen, Dokumente, Berichte und gelegentlich Gedichte.  WZ
10. Nov.   Baden-Baden  Alfred Döblin kehrt als französischer Kulturoffizier wieder nach Deutschland (Baden-Baden) zurück. Er arbeitet im Dienst der Direction de l'Education Publique. Seine Aufgabe besteht in der Zensur der zum Druck vorgelegten Manuskripte. Als Leiter des "Bureau des Lettres" spricht er regelmäßig im Südwestfunk zu Fragen des politischen Bewußtseins in der Öffentlichkeit.  WZ, Frankreich
13. Nov.   Frankfurt am Main  Zum ersten Mal in den drei westlichen Besatzungszonen wird der Reeducation-Film "Die Todesmühlen"öffentlich gezeigt. Der Dokumentarfilm wurde von den Alliierten in den Konzentrationslagern Buchenwald, Dachau und Bergen-Belsen gedreht.  WZ
15. Nov.   Wien  Die provisorische Staatsregierung bittet den Alliierten Rat in einer Note, in Südtirol eine Volksabstimmung durchführen zu lassen.  Italien, Frankreich, England, USA, Sowjetunion, Großbritannien, Österreich
15. Nov.    Die US-Militärregierung überträgt den Kreisen und Gemeinden offiziell die Verwaltung ihrer eigenen Angelegenheiten. Erster Schritt zur demokratischen Selbstverwaltung.  WZ, USA
16. Nov.   Bern  Erklärung des Bundesrates zu den Anschuldigungen des amerikanischen Senators Kilgore, die Nationalbank und die schweizerische Regierung hätten Deutschland Finanzmittel für den späteren Krieg bereitgestellt und damit dessen Kriegseinsatz unterstützt. Dieser Vorwurf wird als unbegründet zurückgewiesen.  USA, Schweiz
17. Nov.    Nach dem Rücktritt Oskar Czeijas am 12.11. wird Siegmund Guggenberger zum "Öffentlichen Verwalter" des österreichischen Rundfunks bestellt.  Österreich
17. Nov.   Berlin  Der Kulturbund zur demokratischen Erneuerung fordert die Exilanten zur Rückkehr nach Deutschland auf: "Ihr sollt wissen, daß Euch die Heimat nicht vergessen hat und daß wir auf Euch warten, indem wir durch Schaffung eines freiheitlichen Deutschlands den Tag Eurer Heimkehr vorbereiten (...) Laßt Euch sagen, daß Deutschland Euer bedarf (...) Über Trümmern und Ruinen weht ein neuer Geist, und dieses unser werdendes neues Deutschland ruft Euch!" (Berliner Zeitung 17.11.1945) Die Resonanz aus dem Ausland ist positiv: Der Freie Deutsche Kulturbund, der seit 1938 als größte Organisation der Emigranten in London existiert, antwortet mit einem Brief, den hunderte exilierte Künstler und Wissenschaftler zum Zeichen ihrer Anerkennung der Arbeit des neu gegründeten Kulturbunds unterschreiben.  WZ, SBZ
17. Nov.   Leipzig  Das literarisch-politische Kabarett "Die Rampe" eröffnet mit dem Programm "Bitte recht freundlich". Das Kabarett wird das bedeutendste der sowjetischen Zone, stellt seinen Betrieb aber bereits nach sechs Programmen im Jahre 1950 wieder ein.  SBZ
19. Nov.   Stettin/Oder, Pölitz, Neuwarp, Swinemünde  Polen besetzt aufgrund von Sonderverhandlungen mit der UdSSR ein Gebiet von etwa 850 km² westlich der Oder mit Stettin, Pölitz, Neuwarp und Swinemünde. In diesem Gebiet befänden sich noch ca. 2,5 Millionen Deutsche, deren Aussiedlung mit aller Entschlossenheit angestrebt werde. Vorrangig sei die Ausweisung aller Deutschen, die in einem Abstand von 100 bis 200 km östlich der Oder und der westlichen Neisse lebten.  Polen, SBZ, Sowjetunion
20. Nov.   Nürnberg   In Nürnberg beginnen die Verhandlungen gegen die 24 Hauptkriegsverbrecher. Den Angeklagten (u.a. Hermann Göring, Rudolf Heß, Joachim von Ribbentrop, Wilhelm Keitel, Ernst Kaltenbrunner, Alfred Rosenberg, Hans Frank, Wilhelm Frick, Julius Streicher, Walther Funk, Hjalmar Schacht, Karl Dönitz, Erich Raeder, Arthur Seyß-Inquart, Albert Speer, Konstantin von Neurath, Hans Fritzsche und Gustav Krupp von Bohlen und Halbach) werden vier Punkte vorgeworfen: 1. Verschwörung, um die Weltherrschaft zu erlangen, 2. Verbrechen gegen den Frieden, 3. Kriegsverbrechen und 4. Verbrechen gegen die Menschlichkeit.  WZ, SBZ, Frankreich, England, USA, Sowjetunion, Großbritannien
20. Nov.    McNarney wird zum Nachfolger Eisenhowers in der Funktion des US-Militärgouverneurs.  WZ, USA
21. Nov.   Berlin  Gründung des Senders RIAS (Rundfunk im amerikanischen Sektor) auf Anordnung des US-Headquarters.  WZ, USA
22. Nov.   Berlin  Der Alliierte Kontrollrat (AKR) beschließt die Einrichtung einer alliierten Luftsicherheitszentrale in Berlin ("Air-Safety-Control"). Sie hat für die Sicherheit des alliierten Flugverkehrs durch die drei Luftkorridore nach Berlin zu sorgen.  WZ, SBZ, Frankreich, England, USA, Sowjetunion, Großbritannien
25. Nov.    Wahl zum Nationalrat: Die ÖVP erhält 85 Mandate, die SPÖ 76 und die KPÖ 4.  Österreich
29. Nov.    In der französischen Zone werden Parteigründungen erlaubt.  WZ, Frankreich
30. Nov.    Die in den USA und Großbritannien geführte "Schwarze Liste" Schweizer Firmen, die Handelsverkehr mit den Achsenmächten (Deutschland und Italien) betrieben und damit den Kriegsgegner unterstützt haben, weist noch etwa 600 Namen auf. (Höchststand: mehr als 1300). Der Bundesrat ermächtigt die Schweizer Verrechnungsstelle zur Kontrolle deutscher Vermögenswerte. Schrankfächer und geschlossene Depots dürfen geöffnet und untersucht werden.  England, USA, Schweiz, Großbritannien
Nov.   Frankfurt am Main  Wiedereröffnung der Deutschen Bücherei. Mit der Teilung Deutschlands in vier Besatzungszonen verliert die Deutsche Bücherei ihre Position als einzige zentrale Archivbibliothek. In den Westzonen Deutschlands konzentrieren sich die Bemühungen um den Wiederaufbau buchhändlerischer und bibliothekarischer Institutionen besonders auf Frankfurt am Main.  WZ
Nov.   Stuttgart, Berlin  Die Zeitschrift "Neues Leben. Zeitschrift der freien deutschen Jugend" wird gegründet. Herausgeber ist Erich Honecker, Erscheinungsort Berlin. Das offizielle Organ der FDJ konkurriert als Jugendzeitschrift mit der von Erich Kästner zur selben Zeit in Stuttgart herausgegebenen Zeitschrift "Für junge Leute - Pinguin".  WZ, SBZ
02. Dez.   Bern  Jubiläumsfeier des 50-jährigen Bestehens der schweizerischen Landesbibliothek, die über 700.000 Bände zählt: In diesem Zusammenhang wird die Gesellschaft der Freunde der schweizerischen Landesbibliothek gegründet, die Ausstellung "Die Schweizer in aller Welt" eröffnet und Direktor Marcel Godet nach 36 Jahren im Dienst des Institutes feierlich verabschiedet.  Schweiz
03. Dez.   Bern  Präsidiumswahlen im National- und im Ständerat: R. Grimm (Bern, sozialdemokratisch) wird zum Präsidenten des Nationalrates gewählt und J. Piller (Freiburg, katholisch-konservativ) wird Präsident des Ständerates.  Schweiz
09. Dez.   Darmstadt  In der Darmstädter Technischen Hochschule wird die Ausstellung "Befreite Kunst" eröffnet. Die von der "Neuen Darmstädter Sezession" durchgeführte Veranstaltung zeigt Werke von Schmidt-Rottluff, Marc Chagall, Oskar Kokoschka, Emil Nolde u.a.  WZ
12. Dez.   Bern  Mit 104 zu 53 Stimmen wird vom Nationalrat das "Postulat Oprecht" gutgeheißen, das vom Bundesrat die Prüfung des Frauenstimmrechts verlangt. Die verschiedenen Kantone werden in Volksabstimmungen während der folgenden Jahre durchgängig die unterschiedlich ausgerichteten Stimmrechtsvorlagen ablehnen.  Schweiz
13. Dez. 20. Dez.  Mit der ersten Währungsreform wird der Schilling wieder gesetzliches Zahlungsmittel.  Österreich
13. Dez.   Bern  Karl Kobelt wird von der vereinigten Bundesversammlung zum Bundespräsidenten für das Jahr 1946 gewählt.  Schweiz
14. Dez. 16. Dez. Bad Godesberg  "Erste Reichtstagung der Christlich-Demokratischen Union". Unter dem Präsidium von Erich Köhler, Lambert Lensing, Leo Schering, J. Hermann Siemer und Karl Arnold wird der Beschluß zur Vereinheitlichung der verschiedenen Parteidenominationen auf Christlich-Demokratische Union gefaßt. Eine Sonderrolle nimmt lediglich die bayerische CSU ein, die ihren Namen wie auch ihre Selbständigkeit beibehält.  WZ, SBZ
16. Dez. 22. Dez. Moskau  Konferenz der Außenminister zur Vorbereitung der Friedensverträge mit den Entente-Mächten. Der unbefriedigende Ausgang dieser leitet einen Wandel der Politik der USA und der Sowjetunion ein.  WZ, SBZ, Frankreich, England, USA, Sowjetunion, Großbritannien
18. Dez.   Solothurn  Die schweizerische Volksbibliothek feiert ihr 25-jähriges Bestehen.  Schweiz
18. Dez.   Wien  Der Alliierte Rat genehmigt die Bundesregierung, die Leopold Figl auf der Grundlage des Wahlergebnisses gebildet hat. Der Koalitionsregierung aus ÖVP und SPÖ gehören unter anderem Leopold Figl (ÖVP) als Bundeskanzler und Adolf Schärf (SPÖ) als Vizekanzler an, Felix Hurdes (ÖVP) wird Unterrichtsminister.  Österreich
20. Dez.   Bern  Bundesrat Petitpierre gibt im Nationalrat Aufschluß über die Kontakte von Schweizern mit dem nationalsozialistischen Chef des deutschen Sicherheitsdienstes Hügel.  Schweiz
20. Dez. 21. Dez. Berlin  Konferenz von je 30 Vertretern von SPD und KPD der Ostzone ("Sechzigerkonferenz"). Die Vertreter beider Parteien beschließen eine Vereinigung von SPD und KPD in der SBZ, Kurt Schumacher wehrt sich dagegen.  SBZ
20. Dez.    Der Alliierte Kontrollrat veröffentlich das "Gesetz Nr. 10" über die Bestrafung von Personen, die sich durch Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen Frieden oder Menschlichkeit schuldig gemacht haben.  WZ, SBZ, Frankreich, England, USA, Sowjetunion, Großbritannien
20. Dez.   Wien  Die österreichische Bundesversammlung (National- und Bundesrat) wählt Karl Renner zum Bundespräsidenten.  Österreich
22. Dez.    Die britische Militärregierung übernimmt die direkte Kontrolle aller Kohlenbergwerke und des gesamten Kohlenbergwerksbesitzes. 68 Kohlenbergwerksgesellschaften mit 225 Bergwerken werden enteignet.  WZ, England, Großbritannien
23. Dez.   Wien  "Radio Wien" nimmt die Ausstrahlung eines zweiten Programms auf, zunächst jedoch nur an Sonn- und Feiertagen.  Österreich
24. Dez.   Berlin  Als erste satirische Zeitschrift erscheint der "Ulenspiegel. Literatur-Kunst-Satire" im Uhlenspiegel-Verlag in Berlin-Dahlem, lizenziert von der amerikanischen Militärregierung. Herausgeber sind Herbert Sandberg und Günther Weisenborn. Die Zeitschrift ist pazifistisch und linksorientiert; sie erscheint bis Ende 1949.  WZ, SBZ
24. Dez.   Freiburg/Breisgau  Als erste deutsche Zeitschrift für die französische Zone erscheint "Die Gegenwart". Herausgeber sind Ernst Benkardt, Bernhard Guttmann, Robert Haerdter, Albert Boeser und Benno Reifenberg. "Die Gegenwart" setzt das journalistische Erbe der "Frankfurter Zeitung" fort. Als ihre Aufgabe versteht sie eine Bestandsaufnahme der gegenwärtigen Situation als Voraussetzung für den gemeinsamen Bau an der Zukunft der Deutschen. Die Zeitschrift stellt ihr Erscheinen 1958 ein.  WZ, Frankreich
26. Dez.   Salzburg  Uraufführung von Hugo von Hofmannsthals Fragment "Eduard und die Mädchen" im Sender Rot-Weiss-Rot.  Österreich
26. Dez.    Als Zusammenschluß mehrerer amerikanischer Wohlfahrtsorganisationen entsteht Care. In der Folge werden zahllose Pakete mit Lebensmitteln, Kleidung und Medikamenten nach Deutschland und in die anderen von den Kriegsfolgen betroffenen Ländern geschickt.  WZ, SBZ, USA
29. Dez.   Hamburg  Eröffnung des literarischen Kabaretts "Bonbonniere" mit dem Programm "Das ganze Leben ist ein Karussell". Als wesentliche Mitarbeiter kommen 1947 Eckart Hachfeld sowie 1949 Wolfgang Neuss, Ursula Herking, Paul Hörbiger, Hubert von Meyerinck, Wolfgang Müller, Erik Ode und Ralf Wolter hinzu.  WZ
30. Dez.    Über BBC begründet Thomas Mann noch einmal seine Weigerung, der vielfachen Aufforderung zur Rückkehr nach Deutschland Folge zu leisten: "Man gönne mir mein Weltbürgertum." Die Rede wird abgedruckt in der "Frankfurter Rundschau" am 11.01.1946.  WZ, SBZ, USA
Dez.    In der Schweiz befinden sich noch 17.717 Emigranten und Zivilflüchtlinge sowie 6993 internierte Militärflüchtlinge.  Schweiz
Dez.    In Deutschland spielen bei Jahresende wieder 162 Bühnen, allein in Berlin 16 Theater und Opernhäuser. Viele Bühnen eröffnen ihre Spielzeit mit Goethes "Iphigenie", daneben dominiert Lessings "Nathan der Weise".  WZ, SBZ
     Die amerikanische Besatzungsmacht stellt den ehemaligen Ullstein Verlag, der nach einem erzwungenen Verkauf von 1937 bis 1945 als Deutscher Verlag geführt worden war, unter Treuhänderschaft.  WZ, USA
    Berlin  Das Deutsche Theater Berlin wird unter der Leitung des Intendanten Gustav von Wangenheim mit Lessings "Nathan der Weise" eröffnet. Die Hauptrolle spielt Paul Wegener. In weiteren Rollen sind Max Eckard, Eduard von Winterstein, Gerda Müller und Aribert Wäscher zu sehen.  WZ
     Die "Neue Zeitung" erscheint. Sie wird das einzige von der amerikanischen Regierung beibehaltene Organ der Tagespresse in Deutschland. Hans Haber ist bis zum 11.3.1946 Chefredakteur, das Feuilleton wird geleitet von Erich Küstner und Luiselotte Enderle.  WZ
    Wien  Bei der deutschsprachigen Erstaufführung des Stücks "Haben" des ungarischen Autors und Moskauer Emigranten Julius (Gyula) Hay im Wiener Volkstheater "bei dem Frauen, die ihre Männer vergiften, eine Madonnenstatue als Giftdepot verwenden" wird die Vorstellung durch Schüler des katholischen Piaristengymnasiums und Angehörige der ehemaligen "Hitlerjugend" gestört. Es kommt zu Tumulten und einer Schlägerei im Theater.  Österreich
    München  Lizenzierung der "Süddeutschen Zeitung" als Nachfolgerin der "Münchner Neuesten Nachrichten" durch Vertreter der amerikanischen Militärregierung im Münchner Rathaus. In einem symbolischen Akt werden Teile des Bleisatzes von Adolf Hitlers "Mein Kampf" eingeschmolzen und daraus die ersten Druckplatten für die neue Zeitung gegossen. Diese erscheint mit einer Auflage von über 200.000 Exemplaren zweimal wöchentlich. Herausgeber sind Edmund Goldschagg (SPD), August Schwingenstein (BP) und Franz Joseph Schöningh (parteilos).  WZ, USA
  1949  In der sowjetischen Besatzungszone werden 160 Verlagslizenzen erteilt. Zu den ersten Neugründungen gehören am 28.08.1945 der Verlag "Das Neue Berlin" als Magistratsverlag, am 01.10.1945 der Henschelverlag Berlin als Bühnen-, Film- und Kunstverlag und am 09.10. der Verlag "Freie Gewerkschaft". Anders als in den Westzonen werden Lizenzen zunächst nicht an Einzelpersonen vergeben sondern an die neugegegründeten antifaschistischen Parteien und Organisationen.  SBZ
     Nach Kriegsende werden in Frankreich rund 1000 Schweizer Staatsbürger wegen Kollaboration verhaftet und von Ausnahmegerichten verurteilt (Todesstrafen, Vermögensverluste u.a.).  Frankreich, Schweiz
    Stockholm  Zum 70. Geburtstag Thomas Manns gibt Gottfried Bermann-Fischer in Stockholm eine Sonderausgabe der "Neuen Rundschau" heraus, jener Zeitschrift, die im September 1944 mit ihrem 55. Jahrgang ihr Erscheinen einstellen mußte. Sie enthält u.a. Beiträge von Hermann Broch, Alfred Döblin, Lion Feuchtwanger, Heinrich und Klaus Mann, Ludwig Marcuse, Franz Werfel, Carl Zuckmayer und Arnold Zweig. Das Sonderheft bildet den Auftakt zu der Wiederaufnahme der Zeitschrift.  Schweden, WZ, SBZ
    Wien  Viktor Matejka (KPÖ) wird Leiter des Amtes für Kultur und Volksbildung.  Österreich
     Die seit 1918 erscheinende literarische Zeitschrift "Europäische Politik" (Herausgeber: René Schickele) wird eingestellt.  Schweiz
    Zürich  Werner Classen gründet den gleichnamigen Verlag, der mit der Klassiker-Reihe "Vom Dauernden in der Zeit" sein Programm eröffnet.  Schweiz
  1951 Leipzig, Dresden, Halle  Aufgrund rapider Verlagsabwanderungen in die Westzonen bzw. in die BRD verliert die Stadt Leipzig 364 Verlage, Dresden 110 und Halle 19 Verlage.  DDR, WZ, SBZ, BRD
    Wien  Als erste Neuinszenierung des Burgtheaters entsteht Hugo von Hofmannsthals "Jedermann" unter der Regie von Lothar Müthel. 106 Aufführungen bis 1951.  Österreich
  1949  In der französischen Zone erhalten insgesamt knapp 200 Verlage Lizenzen. Das Zensurverfahren ist strenger als in der amerikanischen und in der britischen Zone. So wird Verlegern in der französischen Zone verwehrt, klassische Erfolgsbücher wie Heinrich Heines "Buch der Lieder" und Immanuel Kants "Zum ewigen Frieden", die auf dem deutschen Buchmarkt nach Kriegsende boomen, kostengünstig neuaufzulegen. Die französischen Besatzungsbehörden lehnen auch die Publikation von Eugen Kogons KZ-Report "Der SS-Staat" ab.  WZ, Frankreich
     In der US-Zone und in Berlin wurden bisher 27 Zeitschriften genehmigt (davon sind dreizehn religiöser Natur), 54 Bücher und Schriften sind erschienen. In Berlin wurden 11, in der übrigen US-Zone 66 Verleger zugelassen. Die Zahl der Registrierungen einschließlich der Buchdrucker beträgt insgesamt 4.033.  WZ, USA
     Gründung der Zeitschrift "Aufbau" als Organ des Kulturbundes. Es wird zunächst von Klaus Gysi, dann von Bodo Uhse geleitet. Nach einer Phase, in der die Literatur und insbesondere die Förderung junger Autoren eine große Rolle spielt, entwickelt der "Aufbau" in den 50er Jahren eine Vielfalt von Themen und Disziplinen.  WZ, SBZ
    Wien  Josef Krips dirigiert das erste einer Reihe von Konzerten, die (nach einer Überschrift eines Beitrags in der Zeitschrift "Der Turm") unter dem Motto "Rettet das Antlitz Wiens" stehen.  Österreich
     Der Schriftsteller Frank Thiess lehnt in einem Artikel "Innere Emigration", veröffentlicht in der "Münchner Zeitung", den Kollektivschuldvorwurf Thomas Manns ab, fordert vielmehr auch Anerkennung für die in Deutschland gebliebenen Intellektuellen: "Ich glaube, es war schwerer, sich hier seine Persönlichkeit zu bewahren, als von drüben Botschaften an das deutsche Volk zu senden." Der Artikel ruft eine lebhafte Diskussion über Emigration und Rückkehr hervor.  WZ
    Paris  Carl Jacob Burckhardt wird Gesandter der Schweiz in Paris (bis 1949).  Frankreich, Schweiz
    St. Gallen  Das Stück "Erziehung zum Menschen" von Werner Johannes Guggenheim wird sechs Jahre nach Entstehen uraufgeführt. Der Autor kritisiert darin scharf den Nationalsozialismus; zuvor hatte kein Theater die Aufführung gewagt.  Schweiz
  1949 Berlin  Insgesamt werden in der amerikanischen Zone und im amerikanischen Sektor Berlins 390 Verlagslizenzen vergeben. Lizenzträger sind meist renommierte und traditionsreiche Verlagshäuser wie beispielsweise der Ernst Klett und der Alfred Kröner Verlag. Die deutschen Verleger werden verpflichtet der Nachrichtenkontrolle in der amerikanischen Zone einen Bericht über die einzelnen Autoren vorzulegen. Meist wird die Auflagenhöhe auf 5000 Exemplare festgelegt.  WZ, USA
    Wien  Viktor Matejka schlägt Rudolf Steinboeck, dem Direktor des Theaters in der Josefstadt, die Inszenierung von Brechts "Der Gute Mensch von Sezuan" vor (die erste Inszenierung außerhalb der Schweiz) und empfiehlt Paula Wessely für die Hauptrolle. Bertolt Brecht und Helene Weigel versuchen aus dem kalifornischen Exil (auch mit Androhung rechtlicher Schritte) vergeblich, die Aufführung zu verhindern, die schließlich 1946 auf die Bühne kommt.  Österreich

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